Freitag, 19. Mai 2023

Deutscher Tag der Diversität

Am 23. Mai war Diversity-Tag mit vielen tollen Aktionen.

Charta der Vielfalt

Die Homepage Charta der Vielfalt präsentiert einige der Organisationen, die sich am Tag beteiligt haben.
Ihre Überzeugung: Diversity darf nicht zur Nebensache werden. Deshalb ist es umso wichtiger, Vielfalt öffentlich zu feiern. Jede Organisation, jede Aktion trägt dazu bei, ein Bewusstsein für Diversität zu schaffen, den Themen und den Menschen einen Raum zu geben, indem sie über Vielfalt sprechen und in den Austausch kommen können. Egal ob in der Kantine, auf einem Podium, im Intranet, im Büro oder an der Werkbank.

Dokumentationen in der ARD-Mediathek

Auch die Medien verweisen auf den Diversity-Tag, unter anderem der Südwestrundfunk. Verwiesen wird auf interessante Dokumentationen, unter anderem:
Patricks Weg von den Lebenshilfe-Werken zur Straßenmeisterei Trier
Die Schauspielerin mit Downsyndrom Luisa Wöllisch darf im Theater endlich andere Rollen spielen als im Film
Im Rollstuhl den Jakobsweg pilgern – dank Freunden und Teamwork



Samstag, 29. April 2023

Seminarreihe in leichter Sprache über Migration und europäische Staaten

Unter dem Motto „Wo kommst du denn her? -Vielfalt bei ATRIO“ startete eine neue Seminarreihe in leichter Sprache. Beim ersten Termin ging es um einen Überblick über Europa und Zuwanderung

Seminare über europäische Staaten

Gemeinsam mit der Gruppe haben wir uns für Ländern entschieden, über die wir in den nächsten Seminaren sprechen: Italien, die Türkei, den Balkan sowie Spanien und Portugal. Dabei werden die Teilnehmenden einen wichtigen Beitrag leisten, denn sie sind die Expert*innen, wenn es um Land und Leute, Sprache und Essen geht.

Weitere Angebote

Weitere Informationen finden Sie auf meiner Homepage.  Hier finden Sie auch meine Angebote zur Kommunal- und Europawahl 2024.


Donnerstag, 13. April 2023

Hotel statt Werkstatt - Ausbildung im Inklusionshotel einsmehr

In der Süddeutsche Zeitung berichtet Florian Fuchs über ein tolles Projekt in Augsburg, das Leute in den allgemeinen Arbeitsmarkt bringt, die sonst durch jedes Raster fallen.

Preisgekröntes Inklusionsunternehmen

Das Inklusionshotel „Einsmehr“ in Augsburg hat nicht nur den Bayerischen Tourismuspreis gewonnen, sondern auch eine bundesweit einmalige Ausbildung für Menschen mit Beeinträchtigung geschaffen. Das Hotel ist als Projekt aus einer Initiative von Eltern aus dem Großraum Augsburg hervorgegangen, deren Kinder das „Down-Syndrom“ haben: Das Chromosom 21 ist dreimal statt zweimal angelegt, eins mehr eben.

Keine passenden Ausbildungsmöglichkeiten  

Ob Housekeeping oder Service -viele Menschen, die zuvor in Werkstätten gearbeitet haben, sind nun hier fest angestellt. Noch mangelt es aber an der passenden Ausbildungsmöglichkeit. Es fehlen Ausbildungsgänge zwischen dem Niveau „Fachpraktiker“, also einer vereinfachten, vor allem praktischen Ausbildung, und der Tätigkeit in einer Werkstatt. Menschen.

Geduld ist notwendig

Der Umgang mit den Menschen mit Beeinträchtigungen erfordert Geduld und Umdenken, so sind unterschiedlichen Putzmittel für Bad und andere Bereiche sind mit Farben versehen, damit es keine Verwechslungen gibt. Manche arbeiten auch in anderen Hotels – mit positiven Veränderungen für die Teams.

Idee auf andere Branchen übertragen

Die Verantwortlichen wollen die Ausbildungsidee auf andere Bereiche übertragen -aber niemand fühlt sich zuständig. Es geht um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und eines Grundrechts – der Teilhabe am Arbeitsmarkt.

Das Hotel ist erfolgreich

Der Erfolg gibt den Verantwortlichen recht. Einige Ausgebildete haben mit ihrem Zertifikat eine feste Anstellung bekommen. Das Hotel hat eine hohe Auslastung. Das gründet nicht nur auf Ambiente und Konzept des Hotels, sondern auch auf den Mitarbeiterinnen und der laut Dusel „angenehmen Stimmung“ im Haus.

Donnerstag, 9. März 2023

Behindert und auf Jobsuche

Eine Doku des Norddeutschen Rundfunks begleitet behinderte Menschen bei der Arbeitssuche.  In der Dokumentation werden einige Menschen mit Behinderungen bei ihrer Jobsuche begleitet, meistens mit großen Schwierigkeiten, aber in einigen Fällen durchaus mit Erfolg. Besondres erschütternd ist, dass eine Person jahrelang dagegen kämpfen musste, abgestempelt zu werden.

Recht auf Job auf dem ersten Arbeitsmarkt funktioniert nicht

Obwohl der Übergang auf den Arbeitsmarkt staatlich mit viel Geld und Personal gefördert wird, haben ihn bisher von rund 320.000 Beschäftigten in den Behindertenwerkstätten nur ganze 1.500 Personen geschafft. Weniger als ein halbes Prozent: eine verheerende Bilanz. Für Ulrich Schreibner, der früher selbst Geschäftsführer war, haben Werkstätten gar kein Interesse an der Vermittlung.
Aber auch die Unternehmen kommen ihrer Pflicht nicht nach. Sie zahlen lieber eine Abgabe (im Film zurecht Peanuts genannt).

Positive Beispiele

Der Film zeigt aber auch Positives. Zum einen die Probanden, die mit viel Engagement versuchen dem System zu entkommen. Zum anderen zeigt das Beispiel einer Behindertenwerkstatt, dass es auch anders geht. Hier kümmern sich Jobcoaches um die Mitarbeiter, durch ein anderes Honorarsystem haben die Werkstätten keinen Anreiz, Mitarbeiter im System zu halten.

Samstag, 18. Februar 2023

Inklusion - die andere Zeitenwende

In der Süddeutschen Zeitung fordert Heribert Prantl eine Zeitenwende der anderen Art – ein Ausgleich der Ungerechtigkeiten durch Behinderung.

Inklusion als substanziell Demokratisches

Prantl betont, dass es sich bei Inklusion um ein gewaltiges demokratisches und gesellschaftliches Projekt handelt - um die Eingliederung von Menschen mit Behinderung in die normale Alltagswelt, so gut es nur geht. Es geht um Zugänglichkeiten – zu Gebäuden und Verkehrsmitteln, aber auch zur Gesellschaft: Bildung, Ausbildung, das Arbeits- und Freizeitleben. Es ist ein mühevoller Lernprozess für alle Beteiligte. Inklusion ist ein anderes Wort für Sozialstaat; es ist ein anderes Wort für Demokratie, weil Demokratie mehr ist als ein Wahlritual; sie ist eine Wertegemeinschaft.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Eine Behinderung kann jeden treffen, nur rund fünf Prozent an behindert, alle anderen sind im Laufe des Lebens durch Unfall oder Krankheit betroffen. Es ist eine Frage des Schicksals. Eine fürsorgliche Gesellschaft hat deshalb die Aufgabe, dass diese Menschen reale Chancen haben, Prantl nennt dies „Schicksalskorrektur“.

Der wichtigste Satz unserer Republik

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – das Grundgesetz mit diesem grandiosen Artikel 1 wird nächstes Jahr 75 Jahre, seit 30 Jahren steht in Artikel 3 "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Es gilt die Ausgrenzung eines Zehntels der Gesellschaft zu beenden – „Inklusion beginnt daher mit der Sichtbarmachung; und sie verwirklicht sich in exzellenter medizinischer Behandlung und Begleitung und kreativer sozialer Betreuung.“ Die Grundsätze bedingen ein Nachteils- und Schicksalsausgleich, d.h. eine Bevorzugung von Kindern mit Behinderung ist geboten. Die Demokratie muss alles dafür tun, dass alle dazugehören: Zugang zum Gesundheitssystem, Bildung und Arbeitsleben.

Inklusion als gewaltiger Mehrwert

Für die Schule fordert Prantl eine „kluge Pädagogik im Einzelfall“, eine räumliche Eingliederung allein reicht nicht. Inklusion darf nicht zum Streichen von Förderschulen genutzt werden, sie können Kindern einen geschützten Raum mit wenig Leistungsdruck bieten. Auch diese Zeitenwende kostet Geld, hat einen gewaltigen Mehrwert, weil die Kultur des Helfens die Gesellschaft wunderbar verändern kann.
Eine inklusive Gesellschaft entwickelt frühzeitig ein anderes Bild vom Menschsein: Es wird nicht mehr nur am Lineal von Ökonomie und Leistungsfähigkeit gemessen. Hilfebedürftigkeit gehört zum Menschsein: Das lehrt die Inklusion.

Die Stärke misst sich am Wohl der Schwachen

Der mutige Satz "Die Stärke eines Volkes misst sich am Wohl der Schwachen" steht es in der Präambel der Schweizer Verfassung. Die sogenannten Schwachen brauchen gute Hilfe und Assistenz, dann sind sie stark. Und ein starker Staat ist ein Staat, der sich um das Wohl der Schwachen kümmert, dabei merkt, dass die Schwachen gar nicht so schwach sind - und dann ihre Stärken, die Perfektion des Unperfekten, zu schätzen lernt. Das ist dann wirklich eine Zeitenwende.

Samstag, 28. Januar 2023

Der Ukraine-Krieg in leichter Sprache

Es ist schwierig und emotional über den Ukraine-Krieg zu reden. Bei Menschen mit Behinderung gilt dies in besonderem Maße, das das Thema angstbehaftet ist. Es gibt gute Informationen in leichter Sprache, die ich auch in einem meiner Seminare eingesetzt habe.

Seminar in leichter Sprache

Bei der Reihe „Allgemeinbildung einfach erklärt“, die ich in Kooperation von VHS Stuttgart und ATRIO Leonberg durchführen, können die Teilnehmenden die Themen bestimmen. Da ich es wichtig finde über alle Probleme zu reden, bin dich gerne dem Wunsch nachgekommen. Beim Seminar ging es nicht nur um Gründe und Verlauf des Krieges, sondern auch die Sorgen, die das Thema auslösen. Weitere Informationen finden Sie auf meiner Homepage

Informationen zum Ukraine-Krieg in leichter Sprache

Besonders gut gefallen haben mir das Dokument der Lebenshilfe, besonders der Abschnitt über den Umgang mit Angst. Die Expert*innen schlagen vor, mit anderen über Ängste zu reden, aber auch mal die Nachrichten auszuschalten, wenn es zu viel wird.
Weitere interessante Quellen sind die Angebote des NDR in leichter Sprache und Nachrichtenleicht.

Samstag, 21. Januar 2023

Wie Kinder behindert gemacht werden

Das Politikmagazin Monitor berichtet über Inklusion an Schulen und einen unglaublichen Vorwurf: Immer mehr Kinder in Regelschulen werden für „behindert“ erklärt – mit schwerwiegenden Folgen für sie und ihre Familien.

Deutlicher Anstieg aufgrund finanzieller Gründe

Die Zahl der Kinder mit geistiger Behinderung ist deutlich gestiegen – von rund 78.000 2009 auf über 100.000 2021. Ein möglicher Grund: Schulen erhalten mehr Ressourcen. Der Erziehungswissenschaftler Hans Wocken beklagt, dass wahllos Kinder etikettiert werden, die früher als ganz normale, schwache Schüler galten.

Inklusion hat noch gar nicht angefangen.

Das Fazit von Hans Wocken ist entsprechend negativ: Im Grunde genommen hat Inklusion noch gar nicht angefangen. Denn der Beginn der Inklusion wäre, die Schüler mit Behinderung dürfen die Sonderschule verlassen." Eine Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Die Kultusministerkonferenz freut sich, dass die Zahl der Schüler mit Behinderungen an Regelschulen stetig steigt.