Freitag, 20. November 2020

Echt behindert - der Podcast zu Barrierefreiheit und Inklusion

Nach den schlechten Nachrichten der letzten Einträge ein Hinweis auf eine tolle Sache – der Podcast zu Barrierefreiheit und Inklusion der Deutschen Welle.

Echt behindert! – der Podcast zu Barrierefreiheit und Inklusion


Nach dem Motto "nichts über uns ohne uns" werden in diesem Podcast politische, soziale und persönliche Themen behandelt. Und zwar von denen, die sich damit auskennen, den behinderten Menschen selbst.
Moderator Matthias Klaus ist blind. Er arbeitet seit fast 30 Jahren als Radiojournalist in den Berei-chen Kultur und Musik. Er ist ehrenamtlich in der Selbsthilfe engagiert und freut sich besonders, das Thema rund um Behinderung jetzt auch bei der DW in den Fokus rücken.

Einige Podcasts gibt es bereits, u.a.

  • Behindertenrechte sind Menschenrechte
  • Menschen mit Behinderung in Zeiten der Corona-Krise
  • Schule für alle?


Dienstag, 10. November 2020

Inklusion in der Schule kommt nicht voran.

Die Ergebnisse einer Studie des Verbands Bildung und Erziehung sind erschütternd, berichtet haben u.a. der SPIEGEL und die Süddeutsche Zeitung.

Schlechte Noten für die Landesregierungen

Zu wenig Fachkräfte, zu wenig Zeit, zu wenig Vorbereitung – und dazu noch massiv verschärf-te Probleme durch die Coronakrise. Den Landesregierungen geben die befragten Lehrer*innen die Note 4 minus. Die Inklusionspolitik insgesamt kommt noch schlechter weg: 4,5.

Zu wenig geschehen

Die Lehrer*innen kritisieren, dass zu wenig geschehen ist, nur in wenigen inklusiven Klassen wurde die Klassengröße verringert, nur 16 % bezeichnen ihre Schule als barrierefrei. Die Unterstützung und die Fortbildungsangebote bewerten die meisten als ungenügend.

Förderschüler nach der Corona-Krise vergessen

Die Corona-Krise hat nach Ansicht der Befragten die Situation sogar noch verschlechtert, fast 2/3 bemängelten, dass sie „nahezu vergessen“ wurden. Angesichts der Ergebnisse verwundert es nicht, wenn sich 83 % der Befragten für den Erhalt der Förderschulen ausspricht.

Großes Ziel, kleiner Einsatz

Edeltraud Rattenhuber kritisiert in einem Kommentar für die Süddeutsche Zeitung dieses Vorgehen. Durch den mangelnde Unterstützung sinkt die Zustimmung von Lehrern und Eltern. Sie befürchtet, dass Kindern, die ausschließlich in Förderschulen aufwachsen, Außenseiter bleibt. Ihre Forderung: „Gibt die Politik der Gesellschaft ein solches Ziel vor, muss sie auch in die Bedingungen für ein gutes Gelingen investieren“

Dienstag, 13. Oktober 2020

Endlich wieder Schule - Kinder mit Förderbedarf in Zeiten von Corona

Ein ebenso interessanter wie bedrückender Artikel erschien in der ZEIT. Ines Schipperges berichtet über eine Studie, wie Eltern von Kindern mit und ohne Förderbedarf die Zeit der Schulschließungen erlebt habe. Es wundert nicht, dass insbesondere Eltern von Kindern mit Förderbedarf diese Zeit mit Stress und Überlastung in Verbindung bringen.

Lernen durch Nachahmung

Beschrieben wird die Entwicklung von Gabriel, der das Down-Syndrom und Epilepsie hat. In seiner inklusiven Schule lernt er durch Nachahmung:
Wenn die anderen das Abc lernen, bekommt Gabriel Buchstaben aus Holz, die er anfassen kann. Wenn die Kinder um die Wette rennen, ist Gabriel in seinem Rollstuhl derjenige, an dem sie abklatschen dürfen.
Kein Wunder, dass Gabriel während der Schulschließung die anderen Kinder vermisst hat und zunehmend resigniert reagiert hat.

Individuelle Förderung auf Distanz kaum möglich

Durch den Shutdown wurde Gabriel zurückgeworfen, erste wackelige Schritte gab er wieder auf. Umso erfreulicher war es für alle Beteiligte als es endlich wieder losging. Wie gut Inklusion funktionieren kann, beschreibt der letzte Abschnitt:
Wenn seine Mitschüler Gabriel auf dem Pausenhof in seinem Rollstuhl im Kreis schieben, immer schneller, immer wilder, dann freut er sich und macht Geräusche in allen Tonlagen. Wenn er im Klassenzimmer sieht, wie die anderen Kinder bunte Blätter bekleben und mit dem Papier rascheln, sitzt er ganz ruhig da. Gabriel kann es nicht sagen, aber alle wissen dann: Es geht ihm gut.

Montag, 28. September 2020

Wenn das Wort Inklusion nicht mehr benutzt wird, fühlt es sich richtig an

Den Deutschen Schulpreis erhielt in diesem Jahr die Otfried-Preußler-Schule in Hannover. Inklusion ist an der Grundschule in allen Bereichen verinnerlicht und wird von allen als große Bereicherung betrachtet.

Gemeinsames Lernen und gemeinsames Unterstützen

Die Schüler*innen mit besonderen Förderbedarf gehörten hier wie selbstverständlich dazu. Alle Kinder lernen die Gebärdensprache und könnten sich so besser unterstützen. Auch das Kollegium ist bunt gemischt, neben 48 Lehrkräften gehören auch „multiprofessionelle“ Mitarbeiter*innen dazu. Eine Lehrerin bringt es auf den Punkt: „Wenn das Wort Inklusion gar nicht mehr benutzt wird, dann fühlt es sich richtig an“. 

Schulleiterin Alexandra Vanin im Gespräch

Im folgenden Video erklärt die Schulleiterin Alexandra Vanin das Konzept


Zu schön um wahr zu sein?

Natürlich gibt es auch Zweifel, interessant hier der Kommentarbereich des Berichts des NDR: Manche Bedenken kann ich nachvollziehen, z.B. ob die Inklusion auch in weiterführenden Schulen möglich ist und die Schüler*innen aus „bildungsnahen“ Schichten kommen. Dennoch: Der Preis ist verdient und es lohnt sich, das Konzept mal anzuschauen!

Weitere Informaitonen

NDR: Inklusionspreis 
Deutsches Schulpreis: Hauptpreisträger Otfried-Preussler Schule 

Dienstag, 25. August 2020

Sag es einfach - inklusiver Journalismus

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über das Medienprojekt Andererseits. Dort recherchieren und schreiben Menschen mit und ohne Behinderung.

Ein sehr schönes Projekt – in schwierigen Zeiten.

Die Idee: Menschen mit intellektueller Behinderung sollen Journalismus machen, also: recherchi-ren, schreiben, fotografieren, Interviews führen. Und Journalisten ohne Behinderung sollen sie dabei unterstützen.

Journalismus diverser machen

Clara Porak hat das österreichische Online-Medium Andererseits mitgegründet. Sie hat einen Bruder mit Trisomie 21 und ärgerte sich über die Berichterstattung über Menschen mit Behinderung. Mit der Online-Zeitung will sie den Journalismus diverser machen und ihm eine andere Perspektive geben.

Menschen mit intellektueller Behinderung könnten alles verstehen, wenn man es ihnen nur richtig erklärt

Es ist mein Lieblingssatz des Artikels und spricht mir aus der Seele. Sie fordert einfacher Sprache, damit alle sie verstehen. Und so ist Andererseits nicht nur ein Medien-, sondern vor allem ein Inklusionsprojekt. "Eines, das der Journalismus viel dringender braucht als Menschen mit Behinderungen".

Dienstag, 11. August 2020

Magazin für Menschen - Das Recht auf Familie

In der Senderreihe „Menschen-das-Magazin“ geht es im August um ein sehr brisantes Thema – das Recht auf Familie. Dieses Recht haben Menschen mit Behinderung häufig nur auf dem Papier. Sie müssen sich rechtfertigen. Behinderten Eltern – wie Lukas Pordzik - wird mit Vorurteilen begegnet.

Ein Vater kämpft um seine Kinder

Der Film handelt von einem Menschen mit Lernbehinderung, der sich das Sorgerecht für seine Kinder erstritten hat.
Unter der Aufsicht von Sozialpädagogen wird seine Elternschaft begleitet, es wird geschaut, wie gut der Vater mit den Zwillingen klarkommt, ob er ihre Bedürfnisse erkennt und für sie sorgen kann. Dieses Unterstützungsangebot für behinderte Eltern funktioniert häufig nicht besonders gut – das Recht auf Familie ist dann plötzlich vom Wohnort abhängig.

Spannende Berichte über Menschen mit Behinderung

Auf der Seite des Magazins finden Sie weitere spannende Berichte, z.B. über die Folgen von Corona und den Problemen von Menschen auf dem Arbeitsmarkt.  

Mittwoch, 8. Juli 2020

"Ich lass mich nicht behindern!" - Unternehmer mit Behinderungen

Es ist eine besondere Reihe auf 3 Sat:  Besonders Normal gibt Einblicke in die Lebenswelten von Menschen mit Behinderungen. Die Sendereihe begleitet Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag. Wie kann Teilhabe gelingen, was wurde bisher erreicht und welche Voraussetzungen müssen noch geschaffen werden, damit aus dem Traum "Inklusion" Wirklichkeit wird? „Besonders Normal“ wird in Zusammenarbeit mit der ZDF-Reihe „Menschen – das Magazin“ realisiert.

Unternehmer mit Behinderung

In der Juli-Ausgabe "Unternehmer mit Behinderungen" geht es um drei tolle Menschen, die trotz aller Hürden ihr eigenes Unternehmen gegründet haben. Während Pamela Pabst aus Berlin sich mit einer eigenen Kanzlei selbstständig machte und heute zwei Mitarbeiter beschäftigt, entwickelt Jan Blüher aus Dresden, speziell für Menschen, die erblindet oder deren Sehvermögen stark beeinträchtigt sind, Apps und Programme. Daniel Probst arbeitet nach dem Besuch einer Regelschule in seinem Kerzenatelier im bayerischen Donauwörth selbstbestimmt.

Selbstständigkeit als einzige Möglichkeit wieder am Arbeitsleben teilzunehmen

Für Menschen mit Behinderung ist die Selbstständigkeit manchmal die einzige Möglichkeit überhaupt wieder am Arbeitsleben teilzunehmen. Dafür gibt es auch Hilfe vom Staat. So fördert das Integrationsamt Darlehen oder Zinszuschüsse. In bestimmten Fällen gibt es weitere finanzielle Hilfen, wie beispielsweise Leistungen für Arbeitsassistenzen.