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Freitag, 20. Mai 2022

Der Gesetzentwurf zur Triage ist ein Tabubruch

Christina Berndt kritisiert in der Süddeutschen Zeitung den Gesetzentwurf zur Triage. Er ist eine Brüskierung von Menschen mit Behinderungen und ein Tabubruch.

Klare Regeln für Deutschlands Intensivstationen

Die Coronakrise hat gezeigt, wie schnell die Kapazitäten von Intensivstationen zu Ende gehen. Deshalb war und ist es notwendig, klare gesetzliche Regelungen für diese Ausnahmesituation zu treffen.

Ex-ante- und Ex-post-Triage

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass bereits vor der Behandlung jene Kranken ausgewählt werden sollen, die die besseren Überlebenschancen haben. Zusätzlich sollen Ärzte aber auch die Behandlung eines Kranken abbrechen dürfen, wenn die Chancen bei einem anderen Patienten für größer eingeschätzt werden.

Benachteiligung von Menschen mit Behinderung wird vergrößert

Berndt kritisiert diesen Paradigmenwechsel, da Menschen zugunsten eines anderen aussortiert werden könnten. Menschen mit Behinderung könnten besonders betroffen sein, da ihre Behinderung als medizinisch begründete Diskriminierung schöngeredet werden kann.

Losverfahren als Lösung

Berndt fordert, dass das Los entscheiden soll, wenn zu viele gleichzeitig da sind. Das mag rudimentär klingen, aber nur das garantiert am Ende allen Kranken den gleichen, fairen Zugang zur Behandlung. Wer hingegen Patienten auswählt, indem er deren Überlebenschancen vergleicht, nimmt immer eine Diskriminierung vor.

Dienstag, 23. Juni 2020

Sehnsucht nach Normalität - Menschen mit Behinderungen in der Corona-Krise

Die Corona-Krise geht weiter – und die Probleme für Menschen mit Behinderungen. Auch in diesem Monat steht mein Bericht ganz unter dem Eindruck der Corona-Krise, die Menschen mit Behinderun-gen und ihre Angehörige vor ganz besondere Herausforderungen stellt.

Sehnsucht der Normalität

Der Bericht der Süddeutschen Zeitung beschreibt die Situation einer Einrichtung in Herrsching – sie gilt aber wohl für viele Menschen mit Behinderungen – die Sehnsucht nach Normalität. Besuchsverbote, eingeschränkter oder ganz eingestellter Betrieb in Werkstätten für Behinderte. Es ist auch für die Betreuer*innen eine besondere Situation: Es ist ein Spagat, den wir hier vollbringen - zwischen Normalität und dem Schutz der Menschen mit Behinderung

Unendlich erschöpft

In der ZEIT berichtet eine Mutter einer Tochter mit Behinderungen eindrucksvoll über ihren Alltag in Zeiten von Corona
Sie beklagt, dass von der Förderschule ihrer Tochter gar nichts kam – weder digital noch analog. Es fand einfach kein Unterricht, kein schulischer Austausch und keine Förderung statt.
Schon vor der Pandemie waren viele Eltern von Menschen mit Behinderungen unendlich erschöpft: Schuld sind der seit Jahren bestehende Fachkräftemangel, die inadäquate Bezahlung dieser Berufe und das unzureichende Unterstützungssystem für Familien mit herausfordernden Lebensumständen.
Corona hat diese Situation verschärft, denn die betreuten Menschen leiden am meisten.
Seit der Corona-Krise sollte Inklusion auch als eine notwendige Bedingung für eine widerstandsfähige und lebendige Gesellschaft sichtbar und spürbar geworden sein.

Hilfen für Werkstätten mit Behinderungen

Nicht verschweigen möchte ich, dass die Bundesregierung sich auch um die Beschäftigten der Werkstätten kümmert. Die Einbußen der Werkstattbeschäftigten werden zumindest teilweise kompensiert.  Ebenso erfreulich: zumindest einige Beschäftigte konnten zurück an ihre Arbeitsplätze.

Donnerstag, 21. Mai 2020

Die Corona-Krise - mehr Ausgrenzung denn je?

In einem interessanten Artikel im Deutschlandfunk wird die Situation von Menschen mit Behinderungen in der Corona-Krise beschrieben.

Mehr Ausgrenzung denn je

Verena Bentele, die Präsidentin des Sozialverbands VdK, befürchtet durch die Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch mehr Ausgrenzung erfahren. Besonders für Menschen mit geistigen Behinderungen sind Regeln wie Maskenpflicht und Abstandhalten herausfordernd. Für Gehörlose bedeutet die Maskenpflicht zudem eine massive Beeinträchtigung der Kommunikation.
Aber auch die Lockerungen könnten Probleme bringen, z.B. wenn Assistent*innen krank werden.
Berechtigt finde ich auch die Klage, dass die Anliegen von Menschen mit Behinderungen in der Berichterstattung kaum Beachtung findet.

Betreuungseinrichtungen und Werkstätten geschlossen

Eine besondere Herausforderung stellt für Menschen mit Behinderung und deren Familien auch die Schließung von Schulen und Betreuungseinrichtungen – Betreuung wird zur Privatsache.
Die Folgen der Schließung der Werkstätten geht weit über das Problem der Betreuung hinaus. Es ist für viele Mitarbeiter*innen ein wichtiger Bestandteil des Lebens.
Dies zeigt eindrucksvoll der Bericht in den Tagesthemen - ab Minute 10:20.



Menschen mit Behinderung sind widerstandsfähiger

Der Bericht im Deutschlandfunk zitiert den Aktivisten Krauthaus, der Menschen mit Behinderungen auch im Vorteil sieht: Sie seien in der Krise teils vielleicht resilienter, sagt er, also psychisch belastbarer und widerstandsfähiger. Menschen ohne Behinderung machten zurzeit Erfahrungen, die viele Menschen mit Behinderung schon ihr ganzes Leben lang hätten. Dazu gehöre die Isolation zu Hause und auch, dass man nicht einfach mal spontan nach draußen gehen können.

Donnerstag, 2. April 2020

Corona-Pandemie: 13 Millionen Menschen, einfach übersehen

Zweifellos sind im Moment die Regierungen und die Verwaltungen aller Ebenen bemüht, den Folgen der Corona-Epidemie für alle Beteiligte so gering wie möglich zu halten. Deshalb möchte ich keine Vorwürfe machen, dennoch hat mich der Artikel der Süddeutschen Zeitung tief berührt:

13 Millionen Menschen, einfach übersehen

Während etwa für Altenheime Schutzkonzepte entstanden sind, werden Behinderteneinrichtungen im Moment überwiegend sich selbst überlassen. Auch hier gibt es Engpässe beim Schutzmaterial.
Hinzu kommt die besonderer Situation:
Zugleich ist es schwer, Menschen mit einer geistigen Behinderung rechtzeitig zu helfen, wenn sie sich infiziert haben. Ihnen fehlen schließlich oft die Worte, um darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich krank fühlen… Viele haben nicht das Verständnis dafür, wie das geht mit dem Händewaschen oder wie man das jetzt aushalten soll, in seinem Zimmer zu bleiben".

Bewunderung und Dank für die Mitarbeiter/innen

Eine dramatische Situation auch für die Mitarbeiter*innen, sie sind besonders gefordert und müssen tagsüber auch zusätzlich Menschen betreuen, die sonst tagsüber in der Werkstatt ist.
Ein weiterer Grund, warum man die Arbeit der Menschen gar nicht hoch genug würdigen kann!

Montag, 30. März 2020

Informationen zur Corona-Krise in leichter Sprache

Die Corona-Krise belastet im Moment alle Menschen, für Menschen mit Behinderungen ist sie oft noch schlimmer. Ich möchte deshalb auf einige Informationen verweisen, die das Verständnis erleichtern könnte.

Informationen in leichter Sprache

Die Aktion Mensch bietet einen Überblick, von dem aus zu verschiedene Informationen abgerufen werden können: Corona-Infoseite

Auch die Bundesregierung bietet Informationen in leichter Sprache: Corona-Virus


Die Stadt Stuttgart hat ein PDF mit Verhaltensregeln in leichter Sprache herausgebracht: Informationen über das Corona-Virus

Videos in leichter Sprache

Die Behindertenhilfe Wetteraukreis gGmbH hat ein Video veröffentlicht, in dem das Corona-Virus in einfacher Sprache erklärt



Auch die Simpleshow hat ein Erklärvideo herausgebracht: