Dienstag, 11. Mai 2021

Wie gelingt Inklusion? – Plus Drei liefert Antworten

Das Heft Plus Drei liegt regelmäßig der Süddeutschen Zeitung bei und ist auch online abrufbar.
Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich mit der Frage, wie Inklusion gelingen kann. Leser*innen und Menschen, die beruflich mit dem Thema verbunden sind, geben Antworten.

Einige der Antworten: 

Sport als Inklusionsmotor

Der Rennrollstuhlsportler Alhassane Balde beschreibt in seinem Beitrag „Der Gleichmacher“, wie Sport viele Menschen zusammenbringt – egal welcher Hautfarbe, Religion Kultur und eben ob mit oder ohne Behinderung.

Selbst loslegen

Raul Krauthausen, Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit fordert „Selbst loslegen“. Neben dem viel beschworenen Abbau der Barrieren in den Köpfen fordert er die Beseitigung real existierender Barrieren – in Schulen, auf Straßen, Verkehrsmitteln, Restaurants – damit eine Begegnung über-haupt möglich wird.

Schule für alle

Uwe Runkel, Direkter einer Berliner Gemeinschaftsschule beklagt die fehlenden räumlichen und personellen Rahmenbedingungen, um gemeinsames Lernen möglich zu machen. Wichtig ist die Haltung: "Jeder, der zu uns kommt, ist richtig“

Inklusiv durch den Tag

Die Bloggerin Lydia Zoubek verweist auf die Bedeutung von Freizeitangeboten. Nicht nur in der Schule brauchen Kinder mit einer Behinderung, sondern auch in der Freizeit.

Donnerstag, 29. April 2021

Werkstätten für Menschen mit Behinderung – Kein Ort für Inklusion?

Durch persönliche Erfahrung weiß ich, was Werkstätten für Menschen mit Behinderungen leisten. Dennoch möchte ich in diesem Eintrag auf zwei skeptische Beiträge hinweisen.

Werkstätten für Menschen mit Behinderung - kein Ort für Inklusion?

In der SWR2-Radioreportage kommen verschiedene Akteure zu Wort. Berichtet wird, dass von den rund 300.000 Menschen die in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten nur sehr wenige der Übergang zum allgemeinen Arbeitsmarkt gelingt. Beschrieben wird die Entwicklung hin zu den 80er Jahren, in den die Werkstätten zunehmend wirtschaftlicher arbeiten müssen. Gleich bleibt das grundlegende Problem: die Menschen bleiben weitestgehend ohne Kontakt zu Menschen ohne Behinderung.

Alternative Außenarbeitsplätze als Alternative?

Außenarbeitsplatz bedeutet, dass ein Mensch mit Behinderung ist weiter bei einer Werkstatt beschäftigt, er wird von ihr bezahlt. Doch er arbeitet bei einem Unternehmen des ersten Arbeitsmarkts – zum Beispiel in der Kantine des Landgerichts oder eben am Empfang des Digital Hub. Die Vorteile:
Sie erhöhen die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung und schaffen Kontakte zu Menschen ohne Behinderung. Allerdings verdienen diese Mitarbeiter*innen nur einen Bruchteil ihrer Kolleg*innen und auch hier gelingen nur wenigen der Übergang zum ersten Arbeitsmarkt

Stärkt endlich die Alternativen

Anne Gersdorff und Silke Georgi vom Verein Sozialhelden in Berlin fordern in einem Kommentar die Stärkung der Alternativen. Das öffentliche Geld, das in Werkstätten fließt, kann besser genutzt werden.
Die Unterstützung, die Menschen mit Behinderungen in der Werkstatt erhalten, können sie auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch Assistent*innen bekommen. Notwendig sind dafür auch Arbeitgeber*innen, die Menschen mit Behinderungen einstellen.


Freitag, 26. März 2021

Neue EU-Strategie für Menschen mit Behinderungen

Die EU-Kommission hat eine neue Strategie für die Rechte von Menschen mit Behinderungen vorgestellt. Handlungsbedarf gibt es gerade in Zeiten der Corona-Krise genug und die Erwartungen sind zahlreich. Die EU will damit einen Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention leisten.

Europäischer Behindertenausweis

Bisher müssen sich Menschen mit Behinderung bei einem Umzug in einen anderen EU-Staat den Behindertenstatus neu attestieren lassen, ein Europäischer Behindertenausweis soll hier Abhilfe schaffen.

Corona-Pandemie als große Sorge

Große Sorge ist im Moment die Corona-Pandemie, in vielen Ländern wird diskutiert, wann Menschen mit Behinderungen endlich eine Corona-Impfung bekommen. Interessenverbände kritisieren den fehlenden Zugang zum Gesundheitssystem und Probleme für Einrichtungen

Weitere Informationen

Deutsche Welle: Neue EU-Strategie für Menschen mit Behinderungen

Mittwoch, 10. März 2021

Aus der Behindertenwerkstatt an die Uni

Eine tolle Dokumentation über tolle Leute. Die Idee klingt ungewöhnlich und ist doch bestechend einfach: Menschen mit geistiger Beeinträchtigung oder Lernschwierigkeiten unterrichten selbst. Denn sie wissen am besten über das Leben mit Behinderung Bescheid.

Dreijährige Ausbildung zur Bildungsfachkraft

Der Film zeigt den langen Weg von der Bewerbung und einigen Passagen der dreijährigen Ausbildung zur Bildungsfachkraft. Besonders beeindruckend fand ich die erste Begegnung mit Studierenden. Die Menschen mit Behinderungen gingen auf die Studierende zu – die dann begeistert waren. Es zeigt auch eindrucksvoll die Persönlichkeiten, ihre Probleme und Hoffnungen. Zum Schluss folgt dann das erste Seminar nach monatelanger Vorbereitung.  -

Dokumentation in der Mediathek

Bis März 2022 ist die Dokumentation in der ARD-Mediathek zu sehen – absolut sehenswert!

Freitag, 26. Februar 2021

Grundlagen und Praxis inklusiver politischer Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ein Lern- und Lehrbuch für alle veröffentlicht, die sich über die Grundlagen politischer Bildung und inklusiver Arbeit orientieren wollen. 

Das Buch kann über die Seiten der Bundeszentrale bestellt werden, steht aber auch als kostenfreies PDF zum Download bereit.  

Inhalte des Buchs 

Was kann getan werden, damit politische Bildung auch Menschen erreicht, die von politischen Bildungsangeboten, so wie sie in der Mehrzahl der Fälle gestaltet sind, nicht angesprochen werden? Das Buch ist zugleich als Handreichung für Lehrende gedacht, die politische Bildungsprojekte für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen anbieten.

Der Band vermittelt den Leserinnen und Lesern Grundwissen über politische Bildung und über Inklusion. Die vorgestellten Perspektiven von Selbstvertreterinnen und -vertretern dokumentieren, dass politische Teilhabe ein Weg zu einem selbstbestimmten Leben ist. Es wird der Frage nachgegangen, wie Menschen, die von Ausschluss bedroht oder marginalisiert sind, in politischen Bildungsprozessen gestärkt werden können. Überdies geben Beispiele aus der inklusiven Praxis in Schule, Jugend- und Erwachsenenbildung Anregungen und zeigen Gelingensbedingungen für inklusive politische Bildungsarbeit auf.

Mittwoch, 17. Februar 2021

Das Teilhabestärkungsgesetz - Mehr Chancen für Menschen mit Behinderung

Das Bundeskabinett hat das „Teilhabestärkungsgesetz“ beschlossen – bringt es mehr Chancen für Menschen mit Behinderung?

Erleichterungen im Alltag und mehr Chancengleichheit

Mit dem Teilhabestärkungsgesetz soll die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ausgebaut werden. Leitfaden ist dabei die UN-Behindertenrechtskonvention

Konkret sieht der Gesetzentwurf u.a. folgende Regelungen vor:

  • Assistenzhunde sollen künftig Zutritt haben, wo Hunde eigentlich verboten sind
  • Ein Budget für Ausbildung soll den Zugang zum Arbeitsmarkt fordern.
  • Jobcenter sollen Menschen mit Behinderung genauso fordern wie alle anderen Leistungsberechtigten
  • Das Neunte Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) wird um eine Gewaltschutzregelung ergänzt. Leistungserbringer von Reha- und Teilhabeleistungen sollen geeignete Maßnahmen treffen, um den Schutz vor Gewalt, insbesondere für Frauen, zu gewährleisten. 

Konkrete Vorgaben zur Gewaltprävention fehlen

Bei der Gewaltprävention setzt Kritik an. Nach einer Studie der Universität Bielefeld sind Frauen mit Behinderungen besonders häufig körperlicher Gewalt ausgesetzt. Kritiker bemängeln konkrete Vorgaben für Prävention und Intervention. Sie fordern ein umfassendes Schutzkonzept und die Identifizierung und Beseitigung gewaltbegünstigender Strukturen.

Mittwoch, 27. Januar 2021

Ein offenerer Umgang mit schwer behinderten Menschen

In Jetzt – dem Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung – wurde eine Job-Kolumne einer Heilerzieherin veröffentlicht – sehr interessant, was die junge Frau zu sagen hat. 

Aufgaben einer Mama oder eines Papas

Sie beschreibt die Arbeit in ihrer Gruppe: Unterstützung im Alltag, gemeinsames Kochen oder eine gemeinsame Freizeitgestaltung. Es ist schön zu leben, mit welcher Begeisterung sie nach anfänglichen Zweifeln ihrer Arbeit nachgeht.

Von Inklusion nichts zu spüren

Nachdenklich und betroffen machen ihre Erzählungen von einem Besuch ihrer Wohngruppe in einer Pizzeria. Da eine Frau mit Kopffehlstellung Probleme beim Spaghetti essen hatte, beschwerte sich ein älteres Ehepaar, das sie so etwas Ekelhaftes beim Essen nicht sehen wollen. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschärft. 

Dankbarkeit und Wertschätzung

Neben Schwierigkeiten berichtet die Heilerziehungspflegerin auch von den positiven Momenten. Der Ehrlichkeit der „ein einfaches „Ich hab dich lieb“ oder ein „Guten Morgen“, wenn ein Bewohner aufsteht und dich in den Arm nimmt – also vor Corona natürlich“.