Donnerstag, 22. September 2022

Werden Menschen mit Behinderung in Werkstätten ausgebeutet?

Chris Schneidewind beschäftigt sich in einem Artikel des Redaktionsnetzwerk Deutschland mit den Löhnen in Behindertenwerkstätten. Die Menschen verdienen im Durchschnitt 1,46 Euro – weit entfernt von den 12 Euro, die ab Oktober als Mindestlohn gelten.

Werkstätten nicht mit Betrieben vergleichbar

Kathrin Völker ist Geschäftsführerin der BAG WfbM, der bundesweite Fachorganisation der Werkstattträger. Sie verteidigt die niedrigen Löhne durch die besondere Situation in den Werkstätten. Es gibt keine vergleichbaren Pflichten. Außerdem bieten Werkstätten weitere Leistungen wie pflegerische Unterstützung, Ergo- und Physiotherapie, Logopädie sowie Angebote aus dem Sport- und Kulturbereich an. Außerdem gibt es staatliche Leistungen, sodass die Menschen nicht vom Lohn leben müssen.

Eine klare Menschenrechtsverletzung

Katrin Langensiepen ist Abgeordnete im Europaparlament und sieht in den niedrigen Löhnen eine Menschenrechtsverletzung. Sie verweist darauf, dass es sehr wohl Druck besteht und die Werkstätten Aufträge erfüllen müssen.

Mangelnde Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung

In einem Punkt sind sich beide einig: Menschen mit Behinderungen sind in der Öffentlichkeit zu wenig sichtbar. Vorurteile müssen aus dem Weg geräumt werden, damit die Menschen eine echte Chance haben. Erschreckend niedrig ist die Quote der Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt integriert werden. In Zeiten des Fachkräftemangels kann und soll die Integration von Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden.

Samstag, 20. August 2022

Parasport ist mittendrin – aber noch eine Minderheit

Die European Championships in München wurde von vielen Seiten gelobt, ein schöner Aspekt kam dabei fast zu kurz: In zwei Sportarten – Kanu und Rudern – fanden die Para-Europameisterschaften zeitgleich statt. Darüber berichtete unter anderem RP online
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Sportliche Höchstleistungen

Eine Para-Sportlerin bringt es auf den Punkt Und es geht neben der Inklusion auch um die Anerkennung der sportlichen Höchstleistungen. Die Rennzeiten mögen andere sein als bei Sportlern ohne körperliche Beeinträchtigung. Dennoch leisten die Para-Athletinnen und -athleten Beeindruckendes, trainieren genauso hart und liefern Bestleistungen ab.

Noch sind Parasportler

Gemeinsame Wettkämpfe wie nun bei den European Championships sind ein weiterer Schritt auf diesem Weg zu mehr Sichtbarkeit, der aber für den Para-Sport noch länger ist als für die meisten Randsportarten ohnehin schon. Noch sind Parasportler eine Minderheit - Fünf Rennen gab es im Rudern, zwölf beim Kanu aber ein erster Schritt ist getan.

Mittwoch, 6. Juli 2022

Kein Mitleid, sondern ernst genommen werden

Christoph Koopmann beschreibt in der Süddeutschen Zeitung über Katrin Langensiepen, die ins Europäischen Parlament geschafft hat.

Mitleid und wenige Zutrauen

Katrin Langensiepen hat das TAR-Syndrom, sie hat eine Immunschwäche, ist kleinwüchsig und verkürzte Arme. Von klein auf wurde ihr eingetrichtert, dass sie es nicht packt. Behindertenfeindlichkeit ist nicht nur mit dem Finger auf einen zeigen, sondern auch das permanente Unterschätztwerden.

Menschen mit Behinderungen sind wenig öffentlich wahrnehmbar

7,8 Millionen Schwerbehinderte - fast 10 % der Bevölkerung – leben in Deutschland. Zwar gilt mittlerweile das Prinzip der Inklusion, in dem aber auch etwas Gönnerhaftes mitschwingt: Wir lassen euch mitmachen. In der Öffentlichkeit werden Menschen mit Behinderungen wenig wahrgenommen, die Unternehmen zahlen lieber Strafe statt Menschen mit Behinderungen einzustellen, auch viele „Kinder mit Förderbedarf“ gehen weiterhin nicht auf Regelschulen. Auch in der Politik gibt es nur wenige Vertreter*innen. Prominent sind Wolfgang Schäuble als Opfer eines Attentats und Malu Dreyer, die Multiple Sklerose hat.

Engagement als Europaparlamentarier

Im Europaparlament sind es vier von 705 – Katrin Lagensiepen ist eine davon. Eigentlich wollte sie sich um andere Themen kümmern, nachdem sie gesehen hat, welche Nischendasein Behinderung im Parlament hat, hat sie selber übernommen. Über die Kommunalpolitik ist sie in das Europaparlament gekommen und versucht nun dort das Thema voranzubringen. Der Artikel berichtet über zahlreiche Hindernisse – in vielfältiger Form – aber die Frage des Artikels „Was kann sie da eigentlich ausrichten?“ ist bei dieser Frau sicher mit „Einiges!“ zu beantworten

Es ist in jedem Fall ein interessanter Bericht über eine interessante Frau - mehr Informationen zu der Arbeit finden Sie auf der Homepage von Katrin Langensiepen.

Donnerstag, 16. Juni 2022

30 Jahre Ende der Entmündigung – macht Rollator-Demos

Der Artikel von Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung stammt bereits aus dem Februar, hat an seiner Brisanz nichts verloren. 30 Jahre nach der Abschaffung der „Entmündigung“ zugunsten der „Betreuung“ liegt noch vieles im Argen.
Es war ein großer Schritt: volljährige Menschen haben keinen Vormund mehr, sondern einen Betreuer. Das Gesetz sollte die Selbstbestimmung stärken. Die Ziele wurden aber nicht erreicht, beklagt Prantl.

Es fehlt an Geld, Personal, Fürsorge und vor allem: am politischen Interesse

Es fehlt an Geld: für die Betreuung, für Personal, für gute und fürsorgliche Pflege.
Die Situation für die Pflegebedürftigen und ihre Betreuer hat sich eher noch verschlechtert, dabei wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren noch erhöhen.
Prantls Forderung: Macht Rollator-Demos – Sundays for Future Auch das Helfen hat seine Würde - sie wird untergraben, wenn man die Helfenden im Stich lässt

Pflege Menschen so, wie du gepflegt werden willst.

Prantl fordert einen gerontologischer Imperativ: „Pflege und betreue die alten und hilfebedürftigen Menschen so, wie Du selbst einmal gepflegt und betreut werden willst.“ Denn „Verrückt sind nicht hilfebedürftige und demente Menschen. Verrückt ist eine Politik, die diesen Imperativ nicht beherzigt.

Freitag, 20. Mai 2022

Der Gesetzentwurf zur Triage ist ein Tabubruch

Christina Berndt kritisiert in der Süddeutschen Zeitung den Gesetzentwurf zur Triage. Er ist eine Brüskierung von Menschen mit Behinderungen und ein Tabubruch.

Klare Regeln für Deutschlands Intensivstationen

Die Coronakrise hat gezeigt, wie schnell die Kapazitäten von Intensivstationen zu Ende gehen. Deshalb war und ist es notwendig, klare gesetzliche Regelungen für diese Ausnahmesituation zu treffen.

Ex-ante- und Ex-post-Triage

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass bereits vor der Behandlung jene Kranken ausgewählt werden sollen, die die besseren Überlebenschancen haben. Zusätzlich sollen Ärzte aber auch die Behandlung eines Kranken abbrechen dürfen, wenn die Chancen bei einem anderen Patienten für größer eingeschätzt werden.

Benachteiligung von Menschen mit Behinderung wird vergrößert

Berndt kritisiert diesen Paradigmenwechsel, da Menschen zugunsten eines anderen aussortiert werden könnten. Menschen mit Behinderung könnten besonders betroffen sein, da ihre Behinderung als medizinisch begründete Diskriminierung schöngeredet werden kann.

Losverfahren als Lösung

Berndt fordert, dass das Los entscheiden soll, wenn zu viele gleichzeitig da sind. Das mag rudimentär klingen, aber nur das garantiert am Ende allen Kranken den gleichen, fairen Zugang zur Behandlung. Wer hingegen Patienten auswählt, indem er deren Überlebenschancen vergleicht, nimmt immer eine Diskriminierung vor.

Donnerstag, 12. Mai 2022

Fortbildungen für die Diakonie Stetten – Bewohnerbeiräte stark machen

Für die Diakonie Stetten habe ich einige Fortbildungen für Bewohnerbeiräte durchgeführt. Die Veranstaltungen hatten ein wichtiges Ziel: den Bewohnerbeirat stark machen. Auf meiner Homepage berichte ich über die schönen Erfahrungen mit diesem Konzept.

Was machen Bewohnerbeiräte?

m ersten Teil ging es um die Aufgaben und Pflichten von Bewohnerbeiräten: Sie kümmern sich um Probleme und Wünsche anderer Bewohner und vertreten diese gegenüber Leitungen. Dabei werden sie durch Vertrauenspersonen unterstützt

Gute Gespräche führen

Im zweiten Teil ging es darum, wie wir gute Gespräche führen können: zuhören, den anderen ernst nehmen, aber auch die eigene Meinung klar machen. An Beispielen aus der Praxis wie die Planung von Veranstaltungen oder schwierigen Gesprächen mit Mitarbeitern übten wir das anschließend in Kleingruppen.

Viele Ideen für weitere Aktivitäten

Beim Austausch entstand eine lange Liste von tollen Ideen: Gemeinsame Spieleabend, Politiker einladen, Briefe schreiben und die Vernetzung mit anderen Bewohnerbeiräten. Die Ergebnisse werden wir nun zusammenfassen und allen Bewohnerbeiräten zusenden.


Freitag, 29. April 2022

Raul Krauthausen – Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit

„Auch Nicht-Behinderte haben ein Recht darauf, mit behinderten Menschen zusammen zu leben.“ So lautet die Überschrift der Internetseite von Raul Krauthausen, einem der bekanntesten Aktivisten für Inklusion in Deutschland. Er ist Gründer der Sozialhelden, bietet Blogs und Podcasts und viele weitere Informationen rund um das Thema Inklusion. 

 

Kritik an Heilerziehungspflege, Sozial- und Sonderpädagogik

In einer Rubrik der Startseite geht es um häufig gestellte Fragen und häufig gehörte Aussagen. Dort wendet er sich gegen den Begriff „Heilerziehungspflege“ (Ich möchte nicht geheilt werden) und wendet sich gegen „Schonräume“ durch Einrichtungen für behinderte Menschen.  

Blog

In seinem Blog veröffentlicht er regelmäßig Artikel über seine Themenbereiche. Der aktuelle Eintrag  beschäftigt sich mit dem Thema Ableismus ein Jahr nach den Morden im Oberlinhaus.
Erwähnt wird auch eine Dokumentation der ZDF Mediathek, die über den „Aktivisten mit Ecken und Kanten“ berichtet.