Donnerstag, 16. Juni 2022

30 Jahre Ende der Entmündigung – macht Rollator-Demos

Der Artikel von Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung stammt bereits aus dem Februar, hat an seiner Brisanz nichts verloren. 30 Jahre nach der Abschaffung der „Entmündigung“ zugunsten der „Betreuung“ liegt noch vieles im Argen.
Es war ein großer Schritt: volljährige Menschen haben keinen Vormund mehr, sondern einen Betreuer. Das Gesetz sollte die Selbstbestimmung stärken. Die Ziele wurden aber nicht erreicht, beklagt Prantl.

Es fehlt an Geld, Personal, Fürsorge und vor allem: am politischen Interesse

Es fehlt an Geld: für die Betreuung, für Personal, für gute und fürsorgliche Pflege.
Die Situation für die Pflegebedürftigen und ihre Betreuer hat sich eher noch verschlechtert, dabei wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren noch erhöhen.
Prantls Forderung: Macht Rollator-Demos – Sundays for Future Auch das Helfen hat seine Würde - sie wird untergraben, wenn man die Helfenden im Stich lässt

Pflege Menschen so, wie du gepflegt werden willst.

Prantl fordert einen gerontologischer Imperativ: „Pflege und betreue die alten und hilfebedürftigen Menschen so, wie Du selbst einmal gepflegt und betreut werden willst.“ Denn „Verrückt sind nicht hilfebedürftige und demente Menschen. Verrückt ist eine Politik, die diesen Imperativ nicht beherzigt.

Freitag, 20. Mai 2022

Der Gesetzentwurf zur Triage ist ein Tabubruch

Christina Berndt kritisiert in der Süddeutschen Zeitung den Gesetzentwurf zur Triage. Er ist eine Brüskierung von Menschen mit Behinderungen und ein Tabubruch.

Klare Regeln für Deutschlands Intensivstationen

Die Coronakrise hat gezeigt, wie schnell die Kapazitäten von Intensivstationen zu Ende gehen. Deshalb war und ist es notwendig, klare gesetzliche Regelungen für diese Ausnahmesituation zu treffen.

Ex-ante- und Ex-post-Triage

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass bereits vor der Behandlung jene Kranken ausgewählt werden sollen, die die besseren Überlebenschancen haben. Zusätzlich sollen Ärzte aber auch die Behandlung eines Kranken abbrechen dürfen, wenn die Chancen bei einem anderen Patienten für größer eingeschätzt werden.

Benachteiligung von Menschen mit Behinderung wird vergrößert

Berndt kritisiert diesen Paradigmenwechsel, da Menschen zugunsten eines anderen aussortiert werden könnten. Menschen mit Behinderung könnten besonders betroffen sein, da ihre Behinderung als medizinisch begründete Diskriminierung schöngeredet werden kann.

Losverfahren als Lösung

Berndt fordert, dass das Los entscheiden soll, wenn zu viele gleichzeitig da sind. Das mag rudimentär klingen, aber nur das garantiert am Ende allen Kranken den gleichen, fairen Zugang zur Behandlung. Wer hingegen Patienten auswählt, indem er deren Überlebenschancen vergleicht, nimmt immer eine Diskriminierung vor.

Donnerstag, 12. Mai 2022

Fortbildungen für die Diakonie Stetten – Bewohnerbeiräte stark machen

Für die Diakonie Stetten habe ich einige Fortbildungen für Bewohnerbeiräte durchgeführt. Die Veranstaltungen hatten ein wichtiges Ziel: den Bewohnerbeirat stark machen. Auf meiner Homepage berichte ich über die schönen Erfahrungen mit diesem Konzept.

Was machen Bewohnerbeiräte?

m ersten Teil ging es um die Aufgaben und Pflichten von Bewohnerbeiräten: Sie kümmern sich um Probleme und Wünsche anderer Bewohner und vertreten diese gegenüber Leitungen. Dabei werden sie durch Vertrauenspersonen unterstützt

Gute Gespräche führen

Im zweiten Teil ging es darum, wie wir gute Gespräche führen können: zuhören, den anderen ernst nehmen, aber auch die eigene Meinung klar machen. An Beispielen aus der Praxis wie die Planung von Veranstaltungen oder schwierigen Gesprächen mit Mitarbeitern übten wir das anschließend in Kleingruppen.

Viele Ideen für weitere Aktivitäten

Beim Austausch entstand eine lange Liste von tollen Ideen: Gemeinsame Spieleabend, Politiker einladen, Briefe schreiben und die Vernetzung mit anderen Bewohnerbeiräten. Die Ergebnisse werden wir nun zusammenfassen und allen Bewohnerbeiräten zusenden.


Freitag, 29. April 2022

Raul Krauthausen – Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit

„Auch Nicht-Behinderte haben ein Recht darauf, mit behinderten Menschen zusammen zu leben.“ So lautet die Überschrift der Internetseite von Raul Krauthausen, einem der bekanntesten Aktivisten für Inklusion in Deutschland. Er ist Gründer der Sozialhelden, bietet Blogs und Podcasts und viele weitere Informationen rund um das Thema Inklusion. 

 

Kritik an Heilerziehungspflege, Sozial- und Sonderpädagogik

In einer Rubrik der Startseite geht es um häufig gestellte Fragen und häufig gehörte Aussagen. Dort wendet er sich gegen den Begriff „Heilerziehungspflege“ (Ich möchte nicht geheilt werden) und wendet sich gegen „Schonräume“ durch Einrichtungen für behinderte Menschen.  

Blog

In seinem Blog veröffentlicht er regelmäßig Artikel über seine Themenbereiche. Der aktuelle Eintrag  beschäftigt sich mit dem Thema Ableismus ein Jahr nach den Morden im Oberlinhaus.
Erwähnt wird auch eine Dokumentation der ZDF Mediathek, die über den „Aktivisten mit Ecken und Kanten“ berichtet.

Mittwoch, 30. März 2022

Inklusiv politisch bilden – überarbeitete Seiten der Bundeszentrale

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat den Internetauftritt grundlegend überarbeiten. Der Bereich Inklusiv politisch bilden wurde neu gestaltet. Alle Informationen können nun komfortabel von einer Seite aus aufgerufen werden. Sie finden auf diesen Seiten:

  •  Informationen und Diskussionen zu diesen Fragen sowie Ideen für die inklusive Planung und Gestaltung von Unterricht, Bildungsarbeit und -materialien
  •  Print-, Online- und Video Materialien, die Politik und Gesellschaft einfach erklären
  •  Ankündigungen, Ergebnisse und Wissenswertes rund um Projekte, Netzwerke, Kongresse und Workshops zum Thema Inklusion.

Inklusion als Aufgabe von Politik, Gesellschaft und Bildung

Besonders der Bereich Inklusion ist als Überblick sehr empfehlenswert. In einzelnen Rubriken geht es um Inklusion als Aufgabe politischer Bildung, als gesellschaftliche Aufgabe und als Aufgabe in Erziehung und Bildung.
Im Bereich Rückblick werden die Meilensteine der Arbeit aufgelistet – vom Kongress in Berlin 2015, bei dem ich auch dabei war hin zu den Materialien in einfacher Sprache.
Bei den Materialien ist auch mein Beitrag für eine Zeitschrift der Landeszentrale aufgelistet. 

Freitag, 18. März 2022

Total normal - Eine Gesellschaft für alle

Eine Dokumentation des ZDF zeigt Beispiele gelungener Inklusion – und die Hindernisse, die die Menschen zu überwinden haben. Manchmal stellen Stufen Hindernisse dar, manchmal fehlt Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt.

Sozialhelden – einfach mal machen

Im ersten Bericht geht es um die Sozialhelden für den sich die erste Protagonistin einsetzt. Sie hat mit anderen Menschen eine Wheelmap erstellt und engagiert sich für bessere Jobchancen und faire Löhne

Chance B – Fördern, motivieren und niemand allein lassen

Auch der Verein Chance B in Österreich leistet Großartiges. Die Leiterin des Vereins leitet ein besonderes Ausbildungsprogramm, damit Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Sie wendet sich gegen die Werkstätten für Behinderte, in denen Menschen mit niedrigen Löhnen abgespeist werden.

Gemeinsam Sport treiben

Hürden abbauen, Gemeinsamkeiten und Verständnis füreinander aufbauen – das gelingt am besten beim Sport. n allen emsländischen Städten und Gemeinden können Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Sport treiben, etwa Fußball spielen oder Radtouren unternehmen. So kann die Inklusion gelingen.
 

Samstag, 19. Februar 2022

Arbeitsbedingungen in Behindertenwerkstätten: Fair ist anders

Er ist einer der renommiertesten Aktivisten für die Rechte von Menschen mit Behinderung – Raul Krauthausen. In einem Beitrag in der ZEIT beklagt er die Arbeitsbedingungen in Behindertenwerkstätten „Fair ist anders“.

Wunsch nach fair produzierten Produkten

Immer mehr Unternehmen und Konsumenten legen Wert auf fair hergestellte Produkte – Kaffee, Schokolade, Kleidung. Diese faire Behandlung gilt aber nicht für die 320.000 Menschen in Deutsch-land, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten: Sie arbeiten für durchschnittlich 1,35 Euro die Stunde und haben deutlich weniger Rechte.

Armut und Behinderung sind verknüpft

Rund 80 % der Menschen mit Behinderungen leben in Ländern des Globalen Südens. Wer Armut in den Ländern effektiv verringern will, muss die Bedürfnisse und Interessen von Menschen mit Behinderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen berücksichtigen. Diese Fairtrade-Bedingungen sollten auch für Behindertenwerkstätten gelten, fordert Krauthausen.

Konsument*innen sind gefragt

Krauthausen sieht auch die Konsument*innen in der Pflicht: „Fragen Sie bei Ihrem Lieblingsunter-nehmen nach, wer das ökologisch einwandfreie Holzspielzeug sägt, wer den Fairtrade-Kaffee und Tee verpackt, wer die Produkte des Designer-Start-ups verschickt. Fragen Sie nach, ob das Unternehmen weiß, was die Beschäftigten in einer Behindertenwerkstatt verdienen.“ Viele wissen von den Bedingungen in Behindertenwerkstätten – nur durch Nachfragen und Aufklärung kann es einen Arbeitsmarkt geben, der fair für alle ist.