Freitag, 29. April 2022

Raul Krauthausen – Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit

„Auch Nicht-Behinderte haben ein Recht darauf, mit behinderten Menschen zusammen zu leben.“ So lautet die Überschrift der Internetseite von Raul Krauthausen, einem der bekanntesten Aktivisten für Inklusion in Deutschland. Er ist Gründer der Sozialhelden, bietet Blogs und Podcasts und viele weitere Informationen rund um das Thema Inklusion. 

 

Kritik an Heilerziehungspflege, Sozial- und Sonderpädagogik

In einer Rubrik der Startseite geht es um häufig gestellte Fragen und häufig gehörte Aussagen. Dort wendet er sich gegen den Begriff „Heilerziehungspflege“ (Ich möchte nicht geheilt werden) und wendet sich gegen „Schonräume“ durch Einrichtungen für behinderte Menschen.  

Blog

In seinem Blog veröffentlicht er regelmäßig Artikel über seine Themenbereiche. Der aktuelle Eintrag  beschäftigt sich mit dem Thema Ableismus ein Jahr nach den Morden im Oberlinhaus.
Erwähnt wird auch eine Dokumentation der ZDF Mediathek, die über den „Aktivisten mit Ecken und Kanten“ berichtet.

Mittwoch, 30. März 2022

Inklusiv politisch bilden – überarbeitete Seiten der Bundeszentrale

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat den Internetauftritt grundlegend überarbeiten. Der Bereich Inklusiv politisch bilden wurde neu gestaltet. Alle Informationen können nun komfortabel von einer Seite aus aufgerufen werden. Sie finden auf diesen Seiten:

  •  Informationen und Diskussionen zu diesen Fragen sowie Ideen für die inklusive Planung und Gestaltung von Unterricht, Bildungsarbeit und -materialien
  •  Print-, Online- und Video Materialien, die Politik und Gesellschaft einfach erklären
  •  Ankündigungen, Ergebnisse und Wissenswertes rund um Projekte, Netzwerke, Kongresse und Workshops zum Thema Inklusion.

Inklusion als Aufgabe von Politik, Gesellschaft und Bildung

Besonders der Bereich Inklusion ist als Überblick sehr empfehlenswert. In einzelnen Rubriken geht es um Inklusion als Aufgabe politischer Bildung, als gesellschaftliche Aufgabe und als Aufgabe in Erziehung und Bildung.
Im Bereich Rückblick werden die Meilensteine der Arbeit aufgelistet – vom Kongress in Berlin 2015, bei dem ich auch dabei war hin zu den Materialien in einfacher Sprache.
Bei den Materialien ist auch mein Beitrag für eine Zeitschrift der Landeszentrale aufgelistet. 

Freitag, 18. März 2022

Total normal - Eine Gesellschaft für alle

Eine Dokumentation des ZDF zeigt Beispiele gelungener Inklusion – und die Hindernisse, die die Menschen zu überwinden haben. Manchmal stellen Stufen Hindernisse dar, manchmal fehlt Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt.

Sozialhelden – einfach mal machen

Im ersten Bericht geht es um die Sozialhelden für den sich die erste Protagonistin einsetzt. Sie hat mit anderen Menschen eine Wheelmap erstellt und engagiert sich für bessere Jobchancen und faire Löhne

Chance B – Fördern, motivieren und niemand allein lassen

Auch der Verein Chance B in Österreich leistet Großartiges. Die Leiterin des Vereins leitet ein besonderes Ausbildungsprogramm, damit Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können. Sie wendet sich gegen die Werkstätten für Behinderte, in denen Menschen mit niedrigen Löhnen abgespeist werden.

Gemeinsam Sport treiben

Hürden abbauen, Gemeinsamkeiten und Verständnis füreinander aufbauen – das gelingt am besten beim Sport. n allen emsländischen Städten und Gemeinden können Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Sport treiben, etwa Fußball spielen oder Radtouren unternehmen. So kann die Inklusion gelingen.
 

Samstag, 19. Februar 2022

Arbeitsbedingungen in Behindertenwerkstätten: Fair ist anders

Er ist einer der renommiertesten Aktivisten für die Rechte von Menschen mit Behinderung – Raul Krauthausen. In einem Beitrag in der ZEIT beklagt er die Arbeitsbedingungen in Behindertenwerkstätten „Fair ist anders“.

Wunsch nach fair produzierten Produkten

Immer mehr Unternehmen und Konsumenten legen Wert auf fair hergestellte Produkte – Kaffee, Schokolade, Kleidung. Diese faire Behandlung gilt aber nicht für die 320.000 Menschen in Deutsch-land, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten: Sie arbeiten für durchschnittlich 1,35 Euro die Stunde und haben deutlich weniger Rechte.

Armut und Behinderung sind verknüpft

Rund 80 % der Menschen mit Behinderungen leben in Ländern des Globalen Südens. Wer Armut in den Ländern effektiv verringern will, muss die Bedürfnisse und Interessen von Menschen mit Behinderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen berücksichtigen. Diese Fairtrade-Bedingungen sollten auch für Behindertenwerkstätten gelten, fordert Krauthausen.

Konsument*innen sind gefragt

Krauthausen sieht auch die Konsument*innen in der Pflicht: „Fragen Sie bei Ihrem Lieblingsunter-nehmen nach, wer das ökologisch einwandfreie Holzspielzeug sägt, wer den Fairtrade-Kaffee und Tee verpackt, wer die Produkte des Designer-Start-ups verschickt. Fragen Sie nach, ob das Unternehmen weiß, was die Beschäftigten in einer Behindertenwerkstatt verdienen.“ Viele wissen von den Bedingungen in Behindertenwerkstätten – nur durch Nachfragen und Aufklärung kann es einen Arbeitsmarkt geben, der fair für alle ist.

Dienstag, 4. Januar 2022

Werden immer mehr Schüler*innen als „geistig behindert“ etikettiert?

Es ist ein schwerer Verdacht, aber die Zahlen sind doch deutlich: Der SPIEGEL berichtet über eine Studie, die zeigt, dass es bei der Schulverteilung wohl nicht nur um den Bedarf der Jugendlichen geht.

Die Schülerzahlen gehen zurück, die Zahl der Förderschüler bleibt gleich

Von 1995 bis 2017 ist der Anteil der offiziell als »geistig behindert« eingestuften Kinder und Jugendlichen in allen Bundesländern massiv gestiegen, außer in Hamburg und Bremen. Gleichzeitig ist die Gesamtzahl an Schüler*innen gesunken. Eine Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit eine Förderschule zu besuchen vom vorhandenen Förderschulangebot abhängt – und nicht vom Bedarf der Schüler*innen.

Selbsterhaltungsinteresse des Förderschulsystems

Es gibt Belege, dass schwierige Förderschüler in den Bereich „Geistige Entwicklung“ verweisen werden. Die Forscher gehen von einem starken Selbsterhaltungsbetrieb des Förderschulsystems aus. Trotz der bereits 2008 verabschiedeten Konvention, die unter anderem das Recht auf den Besuch einer Regelschule auch für Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf garantiert, sank bis 2017 nur in 51,5 Prozent der Kreise in Deutschland die Anzahl der Förderschulen

Abschaffung der Schwerpunktschulen

Die Forscher sehen eine Flucht der Mittelschicht von inklusiv unterrichtenden schulen, vor allem an Schwerpunktschulen ist die Armutsquote angestiegen. Sie müssen zwei Aufgaben schultern: eine pädagogische und eine soziale. Die Forscher fordern deshalb inklusiven Unterricht an allen Schulen. Schlusslichter in dieser Entwicklung sind Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg. Sie verletzten systematisch die Anforderung zur Schaffung eines inklusiven Bildungssystems.

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Das friedliche Wüstendorf

Zum Abschluss des Jahres ein positives Beispiel von Inklusion aus Israel – in doppeltem Sinne, denn es geht um das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern und das Leben von Menschen mit Behinderung. Der ARD-Weltspiegel berichtete, wie dieses zusammenleben in einem kleinen Dorf in der Negev-Wüste auf berührende Art gelingt:

Zusammen für Kinder mit Behinderungen  

Gegründet wurde es von dem Ex-General Doron Almog. Kinder und Erwachsene aller Bevölkerungs-gruppen und verschiedener Religionen, Menschen mit und ohne Behinderungen, leben hier friedlich zusammen. Nach der Geburt seines behinderten Sohnes konnte der Ex-General einfach nicht fassen, dass ausgerechnet in Israel, nach der Erfahrung mit dem Holocaust – wo behindertes Leben als unwert behandelt wurde, seiner Familie so viel Ablehnung entgegenschlug. Auch aus Deutschland engagieren sich viele Freiwillige im Wüstendorf.

Ein Ort der Nächstenliebe

Das Wüstendorf hat sich zu einem der wichtigsten Arbeitgeber für die Menschen in einer Region entwickelt, die sonst eher wirtschaftlich schwach ist. Es ist ein Vorbild für Koexistenz, denn es geht nur darum, die Situation der Kinder zu berbessern. 
Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. Seite an Seite mit Säkularen und Religiösen, unterschiedlicher Religionen. Aber alle im Glauben an die Würde der Menschen.

Samstag, 11. Dezember 2021

Inklusion im Koalitionsvertrag

Zwei der 177 Seiten Koalitionsvertrag sind dem Thema Inklusion gewidmet.

Barrierefreiheit

Die Regierung möchte für alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens Barrierefreiheit erreichen. Ausdrücklich erwähnt sind die Bahn, Wohnen, Gesundheit und der digitale Bereich.
Dazu zählt auch, dass es mehr Informationen in Gebärdensprache und leichter Sprache geben soll.

Mehr Teilhabe

An die Stelle des Schwerbehindertenausweises soll ein digitaler Teilhabeausweis treten. Dies verspricht gleich zwei Punkte: einerseits soll der Nachweis unkomplizierter werden, andererseits die Teilhabe betont werden. Menschen mit Behinderung wird auch mehr Teilhabe an Vorhaben auf Bundesebene versprochen.

Arbeitswelt

Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sind umstritten, nicht zuletzt, weil es nur wenige Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt schaffen. Dieses Ziel soll künftig mehr im Vordergrund stehen.
Unternehmen, die bisher (zu) wenig Menschen mit Behinderung einstellen, sollen mehr Ausgleichsabgaben zahlen. Außerdem sollen die Beratung verbessert und Inklusionsunternehmen gestärkt werden.

Bewertung

Aktivist*innen wie Ottmar Miles-Paul zeigten sich erfreut über die Pläne, auch die Aktion Mensch äußerte sich zufrieden. Es bleibt zu hoffen, dass die Ziele auch umgesetzt werden, denn insbesondere im Bereich der Barrierefreiheit hinkt Deutschland anderen Ländern deutlich hinterher.