Montag, 26. Juli 2021

Zeitschrift Orientierung - Politische Bildung in der Praxis

Orientierung“ ist eine Fachzeitschrift für Teilhabe des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe. Die Zeitschrift erscheint viermal jährlich und hat eine klare Position: „Unser Thema sind Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Unterstützungsbedarf und nicht "Behinderte"!

Ausgabe Politik

Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich anlässlich der Bundestagswahl mit dem Thema Politik.
Die Ausgabe enthält Beiträge von Menschen, die die selber Politik machen, die sich einmischen, um das gesellschaftliche Beisammensein mit zu gestalten. Die sich als Beiräte mit (eigener Behinderungs-)Erfahrung stark machen für Belange von Menschen mit Unterstützungsbedarf. Menschen mit Handicap berichten davon, wie sie politisch mitgestalten. Wie sie sich vernetzen, um besser gehört zu werden.

Politik in der Praxis

Ein Artikel stammt von Hannah Kaltarar, Pressesprecherin der Diakonie Stetten. Anlässlich unseres Projekts „Die Landtagswahl und Heimat Baden-Württemberg“ berichtet sie von unserer Arbeit an der Diakonie Stetten. Ein Teil des Artikels basiert auf einem Interview mit mir, in dem ich auf meine Arbeit zurückblicke.

Es hat sich viel getan

In den letzten 20 Jahren hat sich viel verändert: Da die Menschen an verschiedenen Standorten wohnen, sind die Seminare nicht mehr so gut besucht, dafür hat sich viel getan: Politiker*innen haben das Thema erkannt und viele Menschen mit Behinderungen sind aktiv geworden

Raum für Diskussionen schaffen

Ein – oft schwer zu erreichendes – Ziel ist, das Seminar in leichter Sprache zu gestalten. Daneben sollen sich Teilnehmer*innen austauschen und ihre Meinung sagen können – solange sich diese im Rahmen des demokratischen Spektrums befinden. Zum Glück musste ich bisher nur selten bei menschenverachtenden Aussagen eingreifen.

Mitarbeiter*innen sind wichtig

Bei meiner Arbeit für die Ludwig-Schlaich-Akademie versuche ich die Auszubildenden zu sensibilisieren. Mit Begeisterung höre ich bei meinem Unterricht für die Ludwig-Schlaich-Akademie, wie politisch interessierte Bewohner*innen unterstützt werden. Deswegen ist es wichtig, dass sie einfach und unkompliziert Informationen bekommen.

Donnerstag, 15. Juli 2021

Inklusives Projekt zur Landtagswahl

Die Koalitionsverhandlungen neigen sich dem Ende zu - und auch meine Aktivitäten. Aufgrund der Corona-Pandemie lief viele anders als geplant, dennoch gab es viele erfreuliche Erlebnisse:

Neue Themen, neue Partner*innen und Methoden

Der Titel des Projekts „Unsere Heimat Baden-Württemberg und die Landtagswahl“ war lang, umfasste aber auch zahlreiche Aktivitäten zu den beiden Themenschwerpunkten. Toll war die Zusammenarbeit mit den Beteiligten der Kooperationspartner Diakonie Stetten und VHS Unteres Remstal, die mit ihrer Expertise und ihrer Begeisterung zum Erfolg beitrugen. Zum ersten Mal habe ich mit der VHS Stuttgart und BHZ Stuttgart zusammengearbeitet, auch hierbei lag der Fokus auf Online-Angeboten.

Online-Seminare und Angebote

Erfreulich viele Interessierte haben unsere Internetseite Einfach wählen gehen und den YouTube-Kanal besucht. Die beiden Angebote bestehen weiter und bieten Informationen und Videos in leichter Sprache zu den Wahlen und Baden-Württemberg.
Trotz mancher Hindernisse haben sich auch einige Klient*innen an den Online-Seminaren beteiligt. Die Bedeutung von Online-Angeboten wird in Zukunft wachsen, denn Kompetenzen bei der Nutzung digitaler Medien sind ein wichtiger Faktor für die gesellschaftliche Teilhabe.

Schreibwettbewerb, Puzzle und Videos zu Baden-Württemberg

Der schönste Erfolg des Projekts war die Verbindung mit dem Thema „Baden-Württemberg“. Dank toller Tipps gab es über 80 Einsendungen beim Schreibwettbewerb. Sehr gefreut hat mich die Arbeit der Studierenden der Ludwig-Schlaich-Akademie, die ein dreidimensionales Puzzle und Videos zu den Regionen Baden-Württemberg erstellt haben.
 

Online-Gespräche mit Kandidat*innen

Als erfolgreiche Methode haben sich die „Gespräche zur Landtagswahl“ erwiesen, die ich für die VHS Stuttgart durchgeführt habe. Nach einer kurzen Einführung mit der Sammlung von Fragen haben wir Gespräche mit Kandidat*innen geführt. Die waren von diesem besonderen Austausch ebenso begeistert wie die Klient*innen.
 

Nach der (Landtags-)Wahl ist vor der (Bundestags-)Wahl

So bleibt mir am Ende nur ein großer Dank an alle Projektpartner*innen und Teilnehmer*innen – es hat mir viel Spaß gemacht. Im Herbst steht bereits die nächste Wahl an: Wir wählen einen neuen Bundestag und bestimmen damit den/die Nachfolger*in von Angela Merkel. Auf der Seite Wahlen 2021 präsentiere ich meine Angebote für die Wahl. Auf dem YouTube-Kanal "Einfach wählen gehen" gibt es nun eine Playliste zur Bundestagswahl, die ich fortlaufend aktualisieren werde.

Sonntag, 27. Juni 2021

Abzocke in Behindertenwerkstätten?

In dem Video von Funk geht es um einen jungen Mann, der eine Petition gestartet hat, in der er sich über die geringen Löhne in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen beschwert. Er arbeitet mittlerweile nicht mehr dort, aber er kämpft weiter gegen das aus seiner Sicht unfaire System. 



 

Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention?

Zur Sprache kommen auch weitere Kritikpunkte wie die geringe Quote an Menschen, die es auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen und der (vermeintliche) Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Diese sieht das das gleiche Recht auf frei gewählte Arbeit vor, einige fordern deshalb die Abschaffung der Werkstätten.

Geschützter Bereich für viele Menschen wichtig

Zu Wort kommen aber auch Mitarbeiter*innen, die die Arbeit in den Werkstätten schaffen. Die Werkstätten sehen sich auch einem zunehmenden Konkurrenzdruck ausgesetzt, sodass der Druck zugenommen hat. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) hält einen Mindestlohn deshalb nicht für den richtigen Weg.

Mittwoch, 9. Juni 2021

Tests zur Früherkennung – gibt es bald weniger Menschen mit Downsyndrom?

Alex Rühle beschäftigt sich in der Süddeutschen Zeitung mit einem wichtigen und schwierigen Thema. Ein Test zur Früherkennung von Trisomie 21 wird bald von den Krankenkassen übernommen – wird es bald weniger Menschen mit Downsyndrom geben?

Eigentlich geht es um einen großen medizinischen Fortschritt. Statt Schwangeren Fruchtwasser oder Plazentagewebe zu entnehmen, reichen beim neuen „nicht-invasiven pränatalen Test“ ein paar Tropfen Blut, um Trisomie nachweisen zu können. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat entschieden, dass dieser Test von Krankenkassen übernommen werden.

Werden weniger Kinder mit Trisomie 21 geboren?

Der Autor beschreibt das Beispiel Dänemark – einen der besten Sozialstaaten der Welt – in dem die Zahl der Kinder mit Trisomie seit dem Test nach unten gegangen ist, obwohl ein engmaschiges System Kindern und Eltern umfassend hilft. Droht dies auch für Deutschland?

Man muss entschlossen sein, sein Kind nach dieser Diagnose zu bekommen

Vom Test als Kassenleistung gehen zwei Signale aus: „Zahlt die Kasse, ist der Test ein Teil der Schwangerschaftsvorsorge „wir wollen keine Menschen mit Downsyndrom“. Auch das Recht auf Nichtwissen wird eingeschränkt und fast zur Bockigkeit.  

Ein Schritt zum Designerbaby?

Im Artikel wird beschrieben, dass immer mehr „Krankheiten“ (in Anführungszeichen, weil Trisomie eben keine Krankheit ist!) wie Mukoviszidose früh erkannt werden können. Jede Abweichung wird als Minusvariante eines guten Lebens betrachtet, manche sehe eine bedenkliche Dimension in Richtung Designerbaby.

Ist die Zulassung gerecht?

Der Autor verweist auf zu Beginn des Textes, dass die Zulassung des Medikaments auch als gerecht bezeichnet werden kann, denn schließlich gibt es den Test, er kosten aber bis zu 300 Euro. „Warum also sollte Eltern mit geringem Einkommen die Möglichkeit verwehrt bleiben, sich zu vergewissern, ob ihr Kind mit Trisomie geboren wird?“

Montag, 24. Mai 2021

Josias Freiheit – Erwachsen werden mit Downsyndrom

Eine tolle Dokumentation über einen tollen jungen Mann: Die SWR Serie Mensch Leute berichtet über Josia, der eigenständig werden will. Führerschein, Umzug in die erste WG, Jugendgemeinderat. Der 18-Jährige mit Down-Syndrom zeigt uns die Welt aus seiner Sicht. Für seine Träume scheut er sich nicht, an Grenzen zu gehen.

Freie Betreuung in einer WG

Erst das Bundesteilhabegesetz hat es möglich gemacht: es gibt viele Angebote, die auch Josia nutzt: Er zieht in eine WG mitten in der Stadt Bruchsal. Aber es gibt auch Probleme – wie in jeder anderen Wohnung. Das Zusammenleben funktioniert nicht immer reibungslos und er verbringt viel Zeit bei seinen Eltern.

Gewählter Jugendgemeinderat

Am meisten beeindruckt hat mich, dass Josia für den Jugendgemeinderat kandidiert hat – und gewählt wurde. Mit viel Engagement setzt er sich für andere Jugendliche ein. Er ist auf jeden Fall ein Vorbild für andere!

Dienstag, 11. Mai 2021

Wie gelingt Inklusion? – Plus Drei liefert Antworten

Das Heft Plus Drei liegt regelmäßig der Süddeutschen Zeitung bei und ist auch online abrufbar.
Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich mit der Frage, wie Inklusion gelingen kann. Leser*innen und Menschen, die beruflich mit dem Thema verbunden sind, geben Antworten.

Einige der Antworten: 

Sport als Inklusionsmotor

Der Rennrollstuhlsportler Alhassane Balde beschreibt in seinem Beitrag „Der Gleichmacher“, wie Sport viele Menschen zusammenbringt – egal welcher Hautfarbe, Religion Kultur und eben ob mit oder ohne Behinderung.

Selbst loslegen

Raul Krauthausen, Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit fordert „Selbst loslegen“. Neben dem viel beschworenen Abbau der Barrieren in den Köpfen fordert er die Beseitigung real existierender Barrieren – in Schulen, auf Straßen, Verkehrsmitteln, Restaurants – damit eine Begegnung über-haupt möglich wird.

Schule für alle

Uwe Runkel, Direkter einer Berliner Gemeinschaftsschule beklagt die fehlenden räumlichen und personellen Rahmenbedingungen, um gemeinsames Lernen möglich zu machen. Wichtig ist die Haltung: "Jeder, der zu uns kommt, ist richtig“

Inklusiv durch den Tag

Die Bloggerin Lydia Zoubek verweist auf die Bedeutung von Freizeitangeboten. Nicht nur in der Schule brauchen Kinder mit einer Behinderung, sondern auch in der Freizeit.

Donnerstag, 29. April 2021

Werkstätten für Menschen mit Behinderung – Kein Ort für Inklusion?

Durch persönliche Erfahrung weiß ich, was Werkstätten für Menschen mit Behinderungen leisten. Dennoch möchte ich in diesem Eintrag auf zwei skeptische Beiträge hinweisen.

Werkstätten für Menschen mit Behinderung - kein Ort für Inklusion?

In der SWR2-Radioreportage kommen verschiedene Akteure zu Wort. Berichtet wird, dass von den rund 300.000 Menschen die in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen arbeiten nur sehr wenige der Übergang zum allgemeinen Arbeitsmarkt gelingt. Beschrieben wird die Entwicklung hin zu den 80er Jahren, in den die Werkstätten zunehmend wirtschaftlicher arbeiten müssen. Gleich bleibt das grundlegende Problem: die Menschen bleiben weitestgehend ohne Kontakt zu Menschen ohne Behinderung.

Alternative Außenarbeitsplätze als Alternative?

Außenarbeitsplatz bedeutet, dass ein Mensch mit Behinderung ist weiter bei einer Werkstatt beschäftigt, er wird von ihr bezahlt. Doch er arbeitet bei einem Unternehmen des ersten Arbeitsmarkts – zum Beispiel in der Kantine des Landgerichts oder eben am Empfang des Digital Hub. Die Vorteile:
Sie erhöhen die Sichtbarkeit von Menschen mit Behinderung und schaffen Kontakte zu Menschen ohne Behinderung. Allerdings verdienen diese Mitarbeiter*innen nur einen Bruchteil ihrer Kolleg*innen und auch hier gelingen nur wenigen der Übergang zum ersten Arbeitsmarkt

Stärkt endlich die Alternativen

Anne Gersdorff und Silke Georgi vom Verein Sozialhelden in Berlin fordern in einem Kommentar die Stärkung der Alternativen. Das öffentliche Geld, das in Werkstätten fließt, kann besser genutzt werden.
Die Unterstützung, die Menschen mit Behinderungen in der Werkstatt erhalten, können sie auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt durch Assistent*innen bekommen. Notwendig sind dafür auch Arbeitgeber*innen, die Menschen mit Behinderungen einstellen.