Freitag, 21. Februar 2025

Über die Bundestagswahl reden

Mit einem Seminar für die Diakonie Stetten endeten meine Veranstaltungen zur Bundestagswahl. Erfreulich viele Menschen waren dabei, um sich über die Bundestagswahl zu informieren und über wichtige Themen zu diskutieren.

Seminare in Stetten, Leonberg und Heilbronn

Besonders gefreut hat mich, dass nach längerer Zeit wieder eine Veranstaltung in Stetten zustande gekommen ist. Hier hatte ich vor über 25 Jahren meine erste Veranstaltung. Unter den über 50 Teilnehmende waren einige vertraute Gesichter, aber auch einige Jungwähler*innen. Für ATRIO Leonberg waren es gleich Seminare mit zusammen genommen rund 100 Teilnehmer*innen. Bereits vor zwei Wochen war ich in Heilbronn bei einer Schule und an der Volkshochschule Heilbronn, die gemeinsam mit den Offenen Hilfen eine Veranstaltung gesplant hatte.

Warum, was, wie, und wen wählen?

In den Seminar ging es um verschiedene Fragen zu den Wahlen. „Weil es wichtig ist“ war eine der Antworten zur Frage, warum sie wählen wollen. Mit Unterstützung der Teilnehmenden konnten auch die Fragen zu den Aufgaben des Bundestags und dem Wahlprozess gut beantwortet werden. Schwieriger ist für viele, wen sie wählen sollen. Hier habe ich die wichtigsten Parteien und deren Wahlprogramme vorgestellt. Die von den Teilnehmenden angesprochenen Themen reichten von Inklusion, Sozialstaat bis zu Sorgen über den Krieg.

Eindrucksvolle Gespräche

Einige Moment der Diskussionen werden mir in Erinnerung bleiben: Der Teilnehmer, der eingebürgert wurde und mit 60 Jahren zum ersten Mal an einer freien Wahl teilnehmen kann. Viele Teilnehmer*innen engagieren sich in Vereinen oder setzten sich als Bewohner- oder Werkstattrat für andere ein. Gefreut hat mich auch – bei allen Meinungsunterschieden – der faire Umgang miteinander. Nachdenklich gemacht hat mich die Frage, ob es in Deutschland auch Krieg geben könnte.

Klient*innen unterstützen

In den Seminaren waren Mitarbeiter*innen dabei, die die Klient*innen beim Wählen unterstützen. Die Möglichkeiten und Grenzen der Unterstützung war auch im Unterricht an der Ludwig-Schlaich-Akademie ein großes Thema. Unterstützung – beim Wahlvorgang und den Inhalten – ist ausdrücklich möglich und erwünscht, die Entscheidung treffen aber alle Menschen für sich allein.,

Reise durch Deutschland und Mitmachtag

Durch die vorgezogene Wahl fallen zwei Termine nun in die Zeit nach der Wahl. Nach dem großen Erfolg des letzten Jahres werden wir wieder einen Demokratietag an der Ludwig-Schlaich-Akademie durchführen. Für ATRIO Leonberg werden wir eine Reise durch Deutschland durchführen und auf Land und Leute in den verschiedenen Regionen blicken. Der Blick richtet sich aber auch bereits zur nächsten großen Wahl – Im Frühjahr 2026 wählen die Bürger*innen von Baden-Württemberg einen neuen Landtag

Montag, 20. Januar 2025

Einfach wählen gehen – Informationen und Veranstaltungen zur Bundestagswahl

Die vorgezogenen Bundestagswahlen haben auch meine Planungen verändert. Meine Angebote finden Sie auf meiner Homepage. Einige Veranstaltungen werden wir erst nach der Wahl durchführen. Den Aktionstag an der Ludwig-Schlaich-Akademie zu einem „Demokratietag“ umbenannt – Demokratie ist nämlich immer ein Thema. Ebenfalls nach der Wahl werden wir eine „Reise durch Deutschland“ durchführen. 

Seminare in leichter Sprache

Vor der Wahl sind  Seminare für die Diakonie Stetten und die Offene Hilfe Heilbronn geplant. Gerne können Sie sich bei mir melden, wenn Sie Interesse an einer Veranstaltung haben..

Informationen zur Wahl in leichter Sprache

Bundeszentrale für politische Bildung

Die Broschüre zur Bundestagswahl in leichter Sprache gibt es bereits online, sie wird bald auch in gedruckter Form kommen.
Es gibt eine weitere Themenseite zur Bundestagswahlen
Den Wahlomat gibt es ab 6. Februar:    

Landeszentrale für politische Bildung

Die Landeszentrale hat eine eigene Seite zur Bundestsgswahl
Dort gibt es auch eine Rubik in leichter Sprache. Auf dieser Seite wird auf die Broschüre und den Leitfaden für Assitenzkräfte der Wahl von 2021 verwiesen.

Videos

Zu unserem Aktionstag zu den Kommunal- und Europawahlen an der LSAK haben wir einen Youtube-Kanal erstellt. Auf der Seite Playlists sammle ich derzeit Videos zur Bundestagswahl, d.h. die Liste wird noch länger:  

Freitag, 20. Dezember 2024

Andererseits - Journalismus für alle

Durch die Recherche von Jan Böhmermann bin ich auf die Seite Andererseits  aufmerksam geworden. Journalist*innen mit und ohne Behinderung decken Missstände auf. Ein tolles und wichtiges Projekt!

Wie Deutschland bei der Inklusion versagt

Die Ergebnisse der Recherche mit dem ZDF Magazin Royale sind auf der Seite Inklusion zusammengefasst. Die Beispiele für die Ausgrenzung in der Politik und am Arbeitsmarkt sind hier nochmals ausführlicher beschrieben.

Journalismus von andererseits

Über Lesen gelangt man zu weiteren investigativen Projekten, wie die Behinderung am Arbeitsmarkt, sexualisierte Gewalt und die Lücken beim Katastrophenschutz.

Angebote

Über Kennenlernen kann man sich für einen Newsletter anmelden - Ziel: Lerne Behinderung besser verstehen.  Außerdem gibt es einen Leitfaden für die richtigen Worte im Umgang mit Behinderung und Tipps für Social Media. Für Firmen werden darüber hinaus Workshops angeboten, bei der für Behinderung und Inklusion sensibilisiert wird.

Wie Deutschland Ausgrenzung als Inklusion verkauft

In der letzten Sendung des ZDF Magazin Royal im Jahr 2024 widmete sich einem wichtigen Thema - Inklusion. 

Was ist Inklusion?

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes definiert Inklusion: Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch die Möglichkeit erhalten soll, sich umfassend und gleichberechtigt an der Gesellschaft zu beteiligen. In Deutschland gibt es 13 Millionen mit Behinderungen – jede 6. Person
Die Behindertenrechtskonvention gilt seit 2009 in Deutschland – wir aber unzureichend umgesetzt.

Menschen mit Behinderungen werden behindert

Beispiele aus dem Alltag zeigen die vielfältigen Probleme: Menschen nehmen wenig Rücksicht, sprechen nur mit der Begleitperson, es gibt wenige barrierefreie Wohnungen, Arztpraxen oder Friseure. Selbst beim Katastrophenschutz hat man Menschen mit Behinderung vergessen.

Inklusion an Schulen geht zurück

Die Landesregierung Sachsen-Anhalt möchte Förderschulen stärken. In Baden-Württemberg ist die Anzahl von Kindern in Förderschulen in den letzten Jahren sogar gestiegen, in anderen Ländern bleibt es auf hohem Niveau. Dabei sind Förderschulen oft nur der Auftakt einer Exklusionskette – viele Kinder verlassen die Schulen ohne Schulabschluss.

Mangelnde Inklusion in der Arbeitswelt

Viele Menschen arbeiten in Werkstätten für Behinderung, in denen sie lediglich rund 220 Euro verdienen. Sie erhalten Zuschüsse, dennoch sind Menschen mit „Aktivitätseinschränkungen“ deutlich stärker von Armut betroffen als andere.
Die Werkstätten kommen auch nicht dem Ziel „Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt“ nicht nach, lediglich 0,35 % schaffen den Übergang. Zwar möchten viele Menschen dort arbeiten, offensichtlich ist der Arbeitsmarkt auch nicht vorbereitet.
61 % der Unternehmen kommen ihrer Pflicht zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen nicht vollständig nach – auch das ZDF Magazine Royale. Diese müssen eine Ausgleichsabgabe zahlen, können diese aber dann von der Steuer absetzen.
Porsche erfüllt die Vorgaben auch nicht – lässt aber gleichzeitig Menschen in Werkstätten für sich arbeiten.  

Staat arbeitet mit Tricks

Der Staat als Arbeitgeber ist kaum besser – und arbeitet mit weiteren Tricks, um die Abgabe zu umgehen. Aufträge an Werkstätten können zur Hälfte angerechnet werden. Wenn genug Werkstatt-Aufträge vergeben werden, muss man also gar keine Abgaben zahlen.

Barrierefreie Wahllokale – so gut es geht, jedenfalls

Wahllokale sind häufig in Schulen – die nicht barrierefrei sind. Eine Umfrage des Bundeswahlleiters von 2017 zeigt, dass 71 % der Wahllokale barrierefrei sind. Allerdings durften die Gemeinden selber bestimmen, was sie unter „barrierefrei“ verstehen. Es gibt auch keinen Anspruch. Die interessante Antwort des Bundeswahlleiters: Wir denken aber, dass alle Städte und Gemeinden bei der Auswahl der Wahllokale auf Barrierefreiheit achten. So gut es geht, jedenfalls.

Dienstag, 19. November 2024

Leichte Sprache ist kompliziert

In einem Interview SPIEGEL gibt die Expertin Anne Leichtfuß gibt Tipps zur leichten Sprache.

Viele Menschen sind auf leichte Sprache angewiesen

14 Millionen Menschen in Deutschland brauchen leichte Sprache, damit sie sich informieren können.
Entscheidend sind kurze Sätze, möglichst mit einer Information im Satz. Fremdwärter und Fachbegriffe zum Beispiel müssen erklärt werden. In einem Projekt hat sie für die Münchner Kammerspiele „Antigone“ von Sophokles in Leichte Sprache übertragen.

Punkte in Wörtern für mehr Verständlichkeit

Die Punkte in manchen Wörtern dienen der Verständlichkeit. Sie unterteilen die Worte in Sinneinheiten, so kann man sie leichter erfassen.

Illustrationen und Grafiken für politische Inhalte

Das Verständnis von politischen Berichten erfordert viel Vorwissen. Hier verwendet die Autorin Grafiken und Illustrationen, bei Digitaltexten können Informationen verlinkt werden.

Prozentangaben sind kaum übertragbar

Gescheitert ist die Expertin bei der Angabe einer Prozentzahl. Auch nach Rücksprache mit ihren Prüfern hat sie festgestellt, dass die Übertragung auf Prozente kaum funktioniert. Sie verwendet stattdessen „manche“, „einige“ oder „viele“ anstelle einer konkreten Prozentzahl.

Freitag, 18. Oktober 2024

Donald Trumps Kampagne ist ein Musterbeispiel für Exklusion

In der Süddeutschen Zeitung beschreibt Heribert Prantl den Wahlkampf der Republikaner in den USA.

Ableismus – Menschen auf Beeinträchtigungen reduzieren

Der Begriff Ableismus leitet sich aus dem Begriff Fähigkeiten (ability) ab. Er grenzt alle Menschen aus, die nicht einer vermeintlichen Normalität entsprechen, die also von der angeblichen körperlichen oder geistigen Norm abweichen. Alle Menschen, die die als wesentlich betrachteten Fähigkeiten nicht haben, werden als gestört und behindert kategorisiert, diskriminiert und exkludiert.

Donald Trump als exzessive Kampagne für Ableismus

Den Wahlkampf von Trump bezeichnet Prantl als „eine sehr ausgreifende, eine exzessive und zugleich weltweit wirksame hochgiftige Kampagne für den Ableismus“. Schon in seiner ersten Amtszeit hat er abwertend über Menschen mit Behinderungen geredet, nun diskreditiert politischen Gegner als irre, geistig behindert oder krank.

Leitmedien als Leidmedien

Trump kritisiert auch die Medien, den diskriminierenden Unsinn von Trump durch ständige Wiederholung sagbar machen. Kritiker, die Trump aus berechtigtem Zorn ihrerseits als Irren bezeichnen, gehen Trump auf den ableistischen Leim. Passender hält er die von Tim Walz geprägte Bezeichnung „weird“, die ihn als komisch beschreiben, aber ohne aggressiven und gehässigen Unterton.

Inklusion bedeutet, dass alle am System teilhaben können

Trump steht allem entgegen, was Integration und Inklusion heißt. Integration bedeutet die Eingliederung in ein vorhandenes System, Inklusion geht darüber hinaus, nämlich „einlassen“ und „einbeziehen“. Die Gesellschaf sollte so gestaltet werden, dass ein Mensch, mit welchen Behinderungen, Beeinträchtigungen oder fehlenden Fähigkeiten auch immer, gut darin zurechtkommen kann.

Diversität ist Fakt, Inklusion eine Entscheidung 

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat das Gegenprogramm zu Trump formuliert. Er prägte die Formulierung „Diversity is a fact. Inclusion is a choice.“ - Man ist nicht behindert, man wird behindert. Es geht um die gesellschaftliche Sensibilität für eine gute Zukunftsgestaltung: Inklusion heißt Abbau von Barrieren, heißt Zugänglichkeit und zwar nicht nur zu Gebäuden und Verkehrsmitteln. Inklusion ist kein bautechnisches, sondern ein gesellschaftspolitisches Prinzip. Inklusion heißt Anerkennung und Wertschätzung.
 

Freitag, 20. September 2024

Spart euch die Empörung!

Jonas Wenig kritisiert in der Süddeutschen Zeitung, dass die Empörung über die Witze des Komikers Luke Mockridge Menschen mit Behinderung nicht hilft.

Gratismoral bei der Empörung über Mockridge

Für den Autor zeigen die Reaktionen auf die Witze von Luke Mockridge, dass Menschen mit Behinderungen die Minderheit darstellt, auf die sich die gesamte Gesellschaft am ehesten als „schützenswert“ einigen kann, „also immerhin gratismoralisch, wenn es wirklich nichts kostet – von ziemlich weit rechts bis ganz nach links, von sehr jung bis sehr alt, von weiß bis nicht-weiß.“ Als Björn Höcke über Inklusion als Irrweg schwadronierte, wiesen selbst AfD-Vertreter diese Position zurück.

Für den Autor gibt es zwei Gründe, warum Menschen sich für Behinderte so in die Bresche werfen – einen naheliegenden und einen versteckten und sehr perfiden.

Jeden könnte eine Behinderung treffen

Der naheliegende Grund ist, dass sich viele vorstellen können, selbst eine Behinderung zu haben. Sie kennen Menschen mit Behinderung oder haben selbst gesundheitliche Einschränkungen. Die Identifikation fällt leichter als mit trans-Personen oder Ausländern.

Behinderte stellen keine Gefahr da

Der perfide Grund ist der Gratismut sich über Mockridge zu empören: Es kostet nichts, weil Behinderte für niemanden eine „Gefahr“ darstellen. Sie konkurrieren nicht um gesellschaftliche Ressourcen: Behinderte nehmen niemandem den Arbeitsplatz, die Wohnung oder allgemein gesprochen Status und Wohlstand weg. Andere Gruppen kämpfen lautstark für ihre Rechte. Für Behinderte hingegen gibt es aus einer Position der Überlegenheit mitleidige Blicke, Gesten der Wohltätigkeit und natürlich: alle zwei Jahre Applaus und Anerkennung bei den Paralympics – gerne Hand in Hand mit Inspirations-Porno.

Gesellschaftliche Teilhabe und eine faire Chance

Es geht nicht darum, andere zu inspirieren oder beschützt zu werden - es geht schlicht um gesellschaftliche Teilhabe und eine faire Chance.
Es gibt wenige prominente Menschen mit Behinderungen: Wolfgang Schäuble wäre kaum so erfolgreich gewesen, wenn er seine Politikerkarriere im Rollstuhl gestartet hat. Da es nicht daran liegen kann, dass Menschen mit Behinderungen dümmer, unbegabter und fauler sind, muss es an den Bedingungen liegen, die ihren Aufstieg oder nur ihre Teilhabe behindern. Selbst eine reiche Stadt wie München schafft es nicht, Stolperschwellen für Menschen im Rollstuhl zu beseitigen. „Wenn es schon bei einfachen physischen Barrieren in staatlicher oder kommunaler Verantwortung derart hapert, braucht man sich über Barrieren in vielen Köpfen kaum zu wundern.“

Ausgrenzung in Schulen und Konzerten

Inklusive Klassen finden auf dem Papier alle super – aber wenn die eigenen Kinder betroffen sind, finden manche Förderschulen nicht so schlimm, man wolle die armen behinderten Kinder ja auch nicht überfordern. Auch bei Konzerten oder im Fußallstadien werden Behinderte ausgegrenzt. Sie werden zusammengepackt in separaten Bereichen, die Plätze mögen dann barrierefrei sein, inklusiv im Sinne eines gemeinschaftlichen Erlebens sind solche Events in keinem Fall.

Sich über schlechte Komiker empören ist noch keine Inklusion

Der Autor fragt sich, wie erfolgreich die Interessenvertreter von Behinderten ihren Job machen – Inklusion ist nur ein Felder der notwendigen Modernisierung. Wenn Politik und Gesellschaft entscheiden, ernst gemeinte Inklusion nachrangig zu behandeln, ist das eine legitime Einschätzung, aber: Dank für die vielen Tränen über geschmacklose Witze – hilft nur ernsthaft gerade nicht weiter.“