Sonntag, 12. September 2021

Hier bestimme ich mit – Index für Partizipation

Der Bundesverband evangelischer Behindertenhilfe hat im Rahmen eins Projekts tolle Materialien erstellt. Auf der Seite BEB-Mitbestimmen  gibt es die Informationen in leichter und schwerer Sprache.

Die Fragensammlung - Wer nicht fragt, bleibt dumm

Bei den Fragen geht es um die Haltung, Regeln zur Mitbestimmung und der Situation im Alltag. Diese sind auch als PDF erhältlich. Erläutert werden dabei verschiedene Stufen des Mitwirkens – Information, mitreden und mitentscheiden.
Schon die erste Stufe – Information – ist wichtig: denn ohne Informationen kann ich nicht mitreden und mitentscheiden.

Werkzeugkoffer

In der Rubrik Werkzeugkoffer  finden Sie Arbeitshilfen und Arbeitsblätter

Filme, Beispiele und erfolgreiche Beispiele

Außerdem erhalten Sie auf Zugriff auf Filme, erfolgreiche Beispiele und das Netzwerk Mitbestimmung.
Ein tolles Projekt mit tollen Fragen, die oft zeigen, dass noch viel zu tun ist!

Donnerstag, 26. August 2021

Die Paralympischen Spiele – die Illusion von Inklusion?

15 Prozent der Weltbevölkerung leben mit einer Behinderung. Die Paralympischen Spiele lenken die Aufmerksam auf diese Menschen. Seit 1960 gibt es die Sommerspiele, seit 1976 Winterspiele. Die letzten Veranstaltungen fanden immer drei Wochen nach den Spielen am selben Ort statt.
Der Name setzt sich aus den griechischen Worten „para“ für „neben“ und „olympics“ zusammen, die die Nähe zur Bewegung in den Olympics und das Gemeinsame der Spiele aufweisen sollen.

Drittgrößtes Sportfest der Welt

Die Spiele sind im Verlauf immer größer geworden. So sind die Paralympics trotz oder wegen ihrer olympischen Anbindung längst aus dem Schatten des „großen Bruders“ getreten und als drittgrößtes Sportfest der Welt, neben den Olympischen Spielen und der Fußball-Weltmeisterschaft, etabliert.

Athleten-Klassifizierung

Es gibt fünf Klassifizierungen, die je nach Sportart noch in verschiedene Behinderungsklassen eingeteilt werden - hier die Auflistung der Seite Behinderung.org

  • Amputierte – Sportler, denen mindestens ein Hauptgelenk an einem Glied fehlt
  • Zerebralparese – Sportler mit Beeinträchtigung ihres Bewegungsablaufes, sowie ihrer Haltung (folglich einer Schädigung eines oder mehrerer Gehirnsteuerzentren)
  • Sehbehinderte – in unterschiedlichem Maße sehbehinderte bis blinde Sportler
  • Rollstuhlsport – Sportler, die ihren Sport in einem Rollstuhl ausüben
  • Kleinwüchsige – max. 1,45 m (Männer) oder 1,37 m (Frauen) große Athleten
  •  Les Autres („Die Anderen/die Übrigen“) – Sportler mit unterschiedlichem den Bewegungsapparat betreffenden Handicap, die jedoch in keine der oberen Kategorien eingeordnet werden können

Aufgrund von Betrugsvorwürfen waren geistig behinderte Menschen teilweise ausgeschlossen, mittlerweile dürfen sie wieder in den Sportarten Leichtathletik, Tischtennis und Schwimmen antreten.

Die Illusion von Inklusion

Ronny Blaschke berichtet in seinem Artikel Die Illusion und Inklusion im Deutschlandfunk .
Rund viereinhalbtausend Athleten aus 162 Ländern gehen in Tokio an den Start. 25 Länder mit eigenen Nationalen paralympischen Komitees sind aber nicht vertreten – sie konnten die Kosten nicht aufbringen oder wurden durch politische Krisen zurückgeworfen.
Die Formel ist einfach: Mit zunehmendem Wohlstand wächst die gesellschaftliche und damit auch sportliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Probleme auch in Deutschland

Blaschke kritisiert aber auch die Situation in Deutschland: Der Deutsche Olympische Sportbund der Deutsche Behindertenverband arbeiten nebeneinander und auch an der Basis sieht es nicht gut aus. Die Mehrheit der behinderten Menschen ist sportlich nicht aktiv – weil sie wollen, aber auch weil sie gebremst werden. Viele Sportstätten sind nicht barrierefrei, Breitensportvereine haben keine kapazitäten oder Interesse und auch de Schule ist nicht ausreichend vorbereitet.

Medien – zwischen Übertreibung und Desinteresse

In einem weiteren Artikel kritisiert Ronny Blaschke die Medien: Bei den Paralympics werden die Athlet*innen teils zu Übermenschen stilisiert, abseits der Großereignis-se bekommt der Behindertensport aber nur wenig Aufmerksamkeit.

Montag, 16. August 2021

Raus aus der Isolation: Menschen mit Behinderung an der Hochschule

ZEIT Campus berichtet über sechs Menschen mit Behinderungen, die an der Pädagogischen Hochschule künftige Lehrer auf ihren Beruf vor. Ein tolles Projekt, aber leider immer noch eine Ausnahme.

Inklusionskompetenz vermitteln

Das Projekt begann Anfang 2020 – nach einem Auswahlverfahren wurden sechs Menschen mit Behinderung zu Bildungsfachkräften zu qualifizieren. Sie sind sozialversicherungspflichtig angestellt und werden nach Tarif bezahlt. Inklusion ist ein wichtiger Teil der Ausbildung für angehende Lehrer*innen – es ist naheliegend an der Ausbildung behinderte Menschen zu beteiligen.

Jetzt kann ich mal zeigen, was in mir steckt

Einige waren zu vor in Werkstätten für behinderte Menschen beschäftigt – eine oft monotone und auch schlecht bezahlte Tätigkeit – jetzt können sie zeigen, welch wichtigen Beitrag sie leisten können – die Studierenden sind auf jeden Fall begeistert. Auch für die neuen Fachkräfte hat sich die Situation verbessert, aber die Probleme bleiben: Außerhalb der Hochschule werden sie unterschätzt, bevormundet und schief angeschaut, falls die überhaupt beachtet werden. Es bleibt noch viel zu tun, aber das Projekt ist mehr als ein Hoffnungsschimmer.

Montag, 26. Juli 2021

Zeitschrift Orientierung - Politische Bildung in der Praxis

Orientierung“ ist eine Fachzeitschrift für Teilhabe des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe. Die Zeitschrift erscheint viermal jährlich und hat eine klare Position: „Unser Thema sind Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Unterstützungsbedarf und nicht "Behinderte"!

Ausgabe Politik

Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich anlässlich der Bundestagswahl mit dem Thema Politik.
Die Ausgabe enthält Beiträge von Menschen, die die selber Politik machen, die sich einmischen, um das gesellschaftliche Beisammensein mit zu gestalten. Die sich als Beiräte mit (eigener Behinderungs-)Erfahrung stark machen für Belange von Menschen mit Unterstützungsbedarf. Menschen mit Handicap berichten davon, wie sie politisch mitgestalten. Wie sie sich vernetzen, um besser gehört zu werden.

Politik in der Praxis

Ein Artikel stammt von Hannah Kaltarar, Pressesprecherin der Diakonie Stetten. Anlässlich unseres Projekts „Die Landtagswahl und Heimat Baden-Württemberg“ berichtet sie von unserer Arbeit an der Diakonie Stetten. Ein Teil des Artikels basiert auf einem Interview mit mir, in dem ich auf meine Arbeit zurückblicke.

Es hat sich viel getan

In den letzten 20 Jahren hat sich viel verändert: Da die Menschen an verschiedenen Standorten wohnen, sind die Seminare nicht mehr so gut besucht, dafür hat sich viel getan: Politiker*innen haben das Thema erkannt und viele Menschen mit Behinderungen sind aktiv geworden

Raum für Diskussionen schaffen

Ein – oft schwer zu erreichendes – Ziel ist, das Seminar in leichter Sprache zu gestalten. Daneben sollen sich Teilnehmer*innen austauschen und ihre Meinung sagen können – solange sich diese im Rahmen des demokratischen Spektrums befinden. Zum Glück musste ich bisher nur selten bei menschenverachtenden Aussagen eingreifen.

Mitarbeiter*innen sind wichtig

Bei meiner Arbeit für die Ludwig-Schlaich-Akademie versuche ich die Auszubildenden zu sensibilisieren. Mit Begeisterung höre ich bei meinem Unterricht für die Ludwig-Schlaich-Akademie, wie politisch interessierte Bewohner*innen unterstützt werden. Deswegen ist es wichtig, dass sie einfach und unkompliziert Informationen bekommen.

Donnerstag, 15. Juli 2021

Inklusives Projekt zur Landtagswahl

Die Koalitionsverhandlungen neigen sich dem Ende zu - und auch meine Aktivitäten. Aufgrund der Corona-Pandemie lief viele anders als geplant, dennoch gab es viele erfreuliche Erlebnisse:

Neue Themen, neue Partner*innen und Methoden

Der Titel des Projekts „Unsere Heimat Baden-Württemberg und die Landtagswahl“ war lang, umfasste aber auch zahlreiche Aktivitäten zu den beiden Themenschwerpunkten. Toll war die Zusammenarbeit mit den Beteiligten der Kooperationspartner Diakonie Stetten und VHS Unteres Remstal, die mit ihrer Expertise und ihrer Begeisterung zum Erfolg beitrugen. Zum ersten Mal habe ich mit der VHS Stuttgart und BHZ Stuttgart zusammengearbeitet, auch hierbei lag der Fokus auf Online-Angeboten.

Online-Seminare und Angebote

Erfreulich viele Interessierte haben unsere Internetseite Einfach wählen gehen und den YouTube-Kanal besucht. Die beiden Angebote bestehen weiter und bieten Informationen und Videos in leichter Sprache zu den Wahlen und Baden-Württemberg.
Trotz mancher Hindernisse haben sich auch einige Klient*innen an den Online-Seminaren beteiligt. Die Bedeutung von Online-Angeboten wird in Zukunft wachsen, denn Kompetenzen bei der Nutzung digitaler Medien sind ein wichtiger Faktor für die gesellschaftliche Teilhabe.

Schreibwettbewerb, Puzzle und Videos zu Baden-Württemberg

Der schönste Erfolg des Projekts war die Verbindung mit dem Thema „Baden-Württemberg“. Dank toller Tipps gab es über 80 Einsendungen beim Schreibwettbewerb. Sehr gefreut hat mich die Arbeit der Studierenden der Ludwig-Schlaich-Akademie, die ein dreidimensionales Puzzle und Videos zu den Regionen Baden-Württemberg erstellt haben.
 

Online-Gespräche mit Kandidat*innen

Als erfolgreiche Methode haben sich die „Gespräche zur Landtagswahl“ erwiesen, die ich für die VHS Stuttgart durchgeführt habe. Nach einer kurzen Einführung mit der Sammlung von Fragen haben wir Gespräche mit Kandidat*innen geführt. Die waren von diesem besonderen Austausch ebenso begeistert wie die Klient*innen.
 

Nach der (Landtags-)Wahl ist vor der (Bundestags-)Wahl

So bleibt mir am Ende nur ein großer Dank an alle Projektpartner*innen und Teilnehmer*innen – es hat mir viel Spaß gemacht. Im Herbst steht bereits die nächste Wahl an: Wir wählen einen neuen Bundestag und bestimmen damit den/die Nachfolger*in von Angela Merkel. Auf der Seite Wahlen 2021 präsentiere ich meine Angebote für die Wahl. Auf dem YouTube-Kanal "Einfach wählen gehen" gibt es nun eine Playliste zur Bundestagswahl, die ich fortlaufend aktualisieren werde.

Sonntag, 27. Juni 2021

Abzocke in Behindertenwerkstätten?

In dem Video von Funk geht es um einen jungen Mann, der eine Petition gestartet hat, in der er sich über die geringen Löhne in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen beschwert. Er arbeitet mittlerweile nicht mehr dort, aber er kämpft weiter gegen das aus seiner Sicht unfaire System. 



 

Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention?

Zur Sprache kommen auch weitere Kritikpunkte wie die geringe Quote an Menschen, die es auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen und der (vermeintliche) Verstoß gegen die UN-Behindertenrechtskonvention. Diese sieht das das gleiche Recht auf frei gewählte Arbeit vor, einige fordern deshalb die Abschaffung der Werkstätten.

Geschützter Bereich für viele Menschen wichtig

Zu Wort kommen aber auch Mitarbeiter*innen, die die Arbeit in den Werkstätten schaffen. Die Werkstätten sehen sich auch einem zunehmenden Konkurrenzdruck ausgesetzt, sodass der Druck zugenommen hat. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) hält einen Mindestlohn deshalb nicht für den richtigen Weg.

Mittwoch, 9. Juni 2021

Tests zur Früherkennung – gibt es bald weniger Menschen mit Downsyndrom?

Alex Rühle beschäftigt sich in der Süddeutschen Zeitung mit einem wichtigen und schwierigen Thema. Ein Test zur Früherkennung von Trisomie 21 wird bald von den Krankenkassen übernommen – wird es bald weniger Menschen mit Downsyndrom geben?

Eigentlich geht es um einen großen medizinischen Fortschritt. Statt Schwangeren Fruchtwasser oder Plazentagewebe zu entnehmen, reichen beim neuen „nicht-invasiven pränatalen Test“ ein paar Tropfen Blut, um Trisomie nachweisen zu können. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat entschieden, dass dieser Test von Krankenkassen übernommen werden.

Werden weniger Kinder mit Trisomie 21 geboren?

Der Autor beschreibt das Beispiel Dänemark – einen der besten Sozialstaaten der Welt – in dem die Zahl der Kinder mit Trisomie seit dem Test nach unten gegangen ist, obwohl ein engmaschiges System Kindern und Eltern umfassend hilft. Droht dies auch für Deutschland?

Man muss entschlossen sein, sein Kind nach dieser Diagnose zu bekommen

Vom Test als Kassenleistung gehen zwei Signale aus: „Zahlt die Kasse, ist der Test ein Teil der Schwangerschaftsvorsorge „wir wollen keine Menschen mit Downsyndrom“. Auch das Recht auf Nichtwissen wird eingeschränkt und fast zur Bockigkeit.  

Ein Schritt zum Designerbaby?

Im Artikel wird beschrieben, dass immer mehr „Krankheiten“ (in Anführungszeichen, weil Trisomie eben keine Krankheit ist!) wie Mukoviszidose früh erkannt werden können. Jede Abweichung wird als Minusvariante eines guten Lebens betrachtet, manche sehe eine bedenkliche Dimension in Richtung Designerbaby.

Ist die Zulassung gerecht?

Der Autor verweist auf zu Beginn des Textes, dass die Zulassung des Medikaments auch als gerecht bezeichnet werden kann, denn schließlich gibt es den Test, er kosten aber bis zu 300 Euro. „Warum also sollte Eltern mit geringem Einkommen die Möglichkeit verwehrt bleiben, sich zu vergewissern, ob ihr Kind mit Trisomie geboren wird?“